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Weihnachten in Neuss: Eine Krippe, die zum Nachdenken über Konsum anregt

Evangelische Kirche in Neuss : Eine Krippe, die zum Nachdenken über Konsum anregt

Eine Krippe des Sozialpädagogen und promovierten Erziehungswissenschaftlers Albert Wunsch thematisiert den Zusammenhang zwischen Weihnachten und dem Kaufen und Schenken. Im Predigtgespräch wird dies vertieft.

Vor mehr als 20 Jahren hat Albert Wunsch eine sozialkritische Krippe geschaffen und diese nun in den Gottesdiensten der Evangelischen Kirchengemeinde Am Norfbach im Rahmen von Predigtgesprächen präsentiert. Buchstäblich aufgetischt hat Wunsch aus Schlicherum die von ihm geschaffene gleichnamige sozialkritische Krippe im Pfarrhaus von Pfarrerin Anna Berkholz in Rosellerheide. Die evangelische Kirchengemeinde Am Norfbach hat den Sozialpädagogen und promovierten Erziehungswissenschaftler eingeladen, sein Werk in den Gottesdiensten in Norf und Rosellerheide im Rahmen eines Predigtgesprächs zu präsentieren. „Ein Gedankenanstoß,“ sei die Krippe so Wunsch, „der ins Unwohlsein führen kann, der eine Leerstelle in uns schafft.“

Bereits vor 23 Jahren hat er mit „viel Weitsicht“, wie er selber sagt, die Krippe geschaffen, weil er in „unserer Haben-Gesellschaft“ bemerkt hat, dass Weihnachten immer stärker kommerzialisiert wurde, in eine Schieflage geriet. „Die Assoziation, dass Weihnachten mit Kaufen und Schenken, mit Konsum zu tun hat, legt den Gedanken nahe, dass auch das Weihnachtsfest bald konsumiert wird“, so der 77-Jährige.

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Die Krippe zeigt, auf den ersten Blick, das normale Szenario der Heiligen Nacht: Maria und Josef mit dem Jesuskind in der Krippe. Einzig das Setting mutet ungewohnt an – und auch die Details. Der Künstler erklärt: „Die Krippe ist auf einem feierlichen Teller angerichtet. Zum Arrangement gehören neben Weihnachtskugeln, die auch Kartoffeln sein könnten, Kerzen, die wie Spargel arrangiert sind und einer Holz-Geige als Sinnbild für festliche Musik auch Kokosraspeln, die als süßes Finish darüber gesprenkelt wurden. Neben dem Teller steht ein Champagner-Glas, in dem „ein Engel im Schampus zu ertrinken scheint“. Eine Serviette, auf der der frohe Weihnachtsgruß in vielen Sprachen steht, rundet das Bild ab. Alles das sei stellvertretend für die dekadente Idee, die heilige Familie demnächst gegen etwas Essbares einzutauschen – die Weihnachtsbotschaft auf einem verzehrfertigen Teller also.

„Wenn wir schon alles haben, ist dann alles wunderbar?“, fragt Anna Berkholz sodann zum Auftakt des Gottesdienstes am vierten Advent in der Trinitiatiskirche in Rosellerheide, „oder kann es auch gut sein, wenn mal etwas fehlt?“

Die Idee zum Predigtgespräch in der Gemeinde Am Norfbach war am ersten Advent entstanden, als Albert Wunsch die besondere Illumination, die für die geplante ökumenische Bibellese, die wegen der aktuellen Pandemie-Situation kurzfristig ausfallen musste, installiert worden war, in der Norfer Friedenskirche bewunderte und mit der Pfarrerin ins Gespräch kam. Eigentlich war die Krippe in diesem Jahr einer Gemeinde in Köln „versprochen“, dort hat die Präsentation aber unerwartet nicht stattfinden können. Gut für die Gemeindeglieder im Neusser Süden, findet die Pfarrerin. „Wir freuen uns, dass wir mit diesem künstlerischen Impuls noch einmal die Botschaft von Weihnachten in den Mittelpunkt stellen können. Um Himmlisches zu verstehen, ist es nötig, etwas Irdisches dazu zu nehmen – da kann die Krippe ein guter Denkanstoß sein.“ Die Predigt zum Ansehen sozusagen.