Serie Neu Im Rlt: Weg zur Bühne führt über eine Lehre

Serie Neu Im Rlt: Weg zur Bühne führt über eine Lehre

Michael Meichßner reist zum RLT von Siegburg aus an. Dort wohnt die Familie.

Neuss (hbm) 75 Kilometer - die fährt er täglich, mindestens. Wenn ein Abstecher dazukommt, können es auch mehr sein, die Michael Meichßner zurücklegt auf dem Weg von Zuhause zu seinem Job und umgekehrt. Der 37-Jährige wohnt mit seiner Familie in Siegburg und gehört seit knapp einem halben Jahr zum Ensemble des RLT. Die beiden Jahre davor hat er frei gearbeitet, war auch als Gast schon in den RLT-Produktionen "Zur schönen Aussicht" und "Der Revisor" dabei, hatte zugegriffen, als sich die feste Stelle am Landestheater anbot.

"Ist alles mit der Familie abgesprochen", sagt er amüsiert und hat sich auch nicht vom Charakter der "Reisebühne" RLT abschrecken lassen. Das kannte er ja auch schon. Und so vermisst er auch nichts, wenn er allein zu Abstechern anreist, während die meisten Kollegen gemeinsam im Bus fahren: "Wir sind ohnehin immer früh da", erklärt er, "und treffen uns dann."

Meichßners Weg zur Bühne war keineswegs gerade. Eine Banklehre hatte der gebürtige Bonner zunächst gemacht: "Ich komme nicht aus einer künstlerisch geprägten Familie", sagt er und ergänzt: "Das war damals einfach so." Aber es gab für ihn einen Punkt in seiner Ausbildung, an dem er sich fragte: "Was erwarte ich von meinem Leben?" Nicht in einer Bank arbeiten, war eine sichere Antwort, aber die richtige musste er erst suchen. Und er besann sich darauf, dass er schon immer "Menschen gut unterhalten" konnte und Kabarettprogramme gespielt hat. "Ich muss was lernen", war dann die entscheidende Erkenntnis, die zum Schauspielstudium führte. An der Schule des Theaters "Der Keller" in Köln wurde er angenommen, und in der Ausbildung dort merkte er, "welche Tür ich bei mir aufgestoßen habe". Auch wenn es nicht einfach war, zu erkennen, dass "ich anfangs Schauspielerei mit Darstellung verwechselte".

Und was ist der Beruf heute für ihn? "Es geht um Wahrhaftigkeit", sagt er, "den Moment zu suchen, in dem man sich verliert." Dazu brauche ein Schauspieler das Handwerkliche, betont er, aber es müsse so gut sitzen, dass man dieses beiseite legen könne, wenn man genau diesen Moment des Sich-Verlierens gefunden habe. Die Basis sei das Hinterfragen, meint er, "nicht das Finden von Antworten".

Eine Traumrolle hat Michael Meichßner nicht. Er hatte sie vielleicht mal. "Natürlich habe ich mal gedacht, ich sei der richtige Hamlet", sagt er und lacht, "aber dafür könnte es wohl zu spät sein!" Auf jeden Fall weiß er bei jeder Besetzung, dass sein Beruf mehr als das Spielen einer Rolle ist: "Er ist mein Leben." Diese Sicherheit, so sagt der Schauspieler überzeugt, habe er wohl gerade auch deswegen entwickeln können, weil er einen weiten Weg zur Bühne hinter sich hat.

(NGZ)