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Neuss: Wassersparen schadet den Leitungen

Neuss : Wassersparen schadet den Leitungen

Die Stadtwerke raten, mit Wasser nicht zu sparen. Denn Rohre verstopfen, wenn sie nicht ausreichend gespült werden. In den letzten zehn Jahren ist der Wasserverbrauch in den Neusser Privathaushalten um rund zehn Prozent zurückgegangen.

Wassersparende Geräte und Verhaltensweisen - zum Beispiel beim Zähneputzen kein Wasser laufen zu lassen - haben zu dieser Entwicklung geführt. Was eigentlich ein Grund zur Freude wäre, entwickelt sich aus Sicht der Kanalbetreiber zu einem Problem. "Denn wenn weniger Wasser verbraucht wird, ist der Spüleffekt in den Leitungen auch geringer", sagt Wilhelm Heiertz, der die Stadtentwässerung bei der Infrastruktur Neuss (ISN) leitet. Die Folge: "Stoffe lagern sich ab und können das Kanalsystem verstopfen."

Dann müsse mit Frischwasserspülungen versucht werden, die Leitungen wieder freizubekommen. Schlimmstenfalls sei es erforderlich, den Boden zu öffnen. "Wenn die Kanäle infolge der Wassersparbemühungen immer stärker gepflegt und saniert werden müssen, ist das Ganze nachher ein Nullsummenspiel", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Stephan Lommetz. Er sieht ohnehin keinen Anlass, mit Wasser allzu sehr zu haushalten. "In unserer Region haben wir genug."

Betroffen von möglichen Verstopfungen sind den ISN zufolge sowohl öffentliche als auch private Leitungen. Unter anderem an Spülbecken sei Wassersparen nicht ratsam. "Selbst wenn ein Sieb auf dem Ausguss liegt, können immer Essensreste und Öl in die Abwasserleitung gelangen", weiß Heiertz. Ohne gründliches Nachspülen setzten sich die Stoffe an den Leitungswänden fest und verhärteten sich. "Da kann schließlich nur eine Spezialfirma helfen, um die Leitung wieder frei zu fräsen."

Rund 114.00 Neusser versorgen die Neusser Stadtwerke mit Trinkwasser, die übrigen werden von den Kreiswerken Grevenbroich beliefert. Bei der Entwässerung seien die Stadtteile störungsanfällig, in denen das Abwasser in einem gemeinsamen Kanal mit dem Regenwasser abgeleitet werde. "Diese Mischkanäle haben einen relativ großen Durchmesser", berichtet Heiertz. Bei längeren Trockenperioden im Sommer reiche das Abwasser aus den Haushalten nicht, um die Rohre kräftig durchzuspülen. Da passiere es dann häufiger, dass sich an der Sohle der Kanäle Ablagerungen bildeten. "In den Stadtgebieten, in denen Schmutz- und Regenwasser in getrennten Rohren abgeleitet werden, gibt es dagegen keine Probleme, weil die Schmutzwasserleitungen extra klein dimensioniert sind, so dass sie auch mit wenig Wasser ausreichend durchgespült werden."

Ob ein oder zwei Abwasserrohre gelegt wurden, hätten früher die einzelnen Gemeinden entschieden. Ein Mischrohr für Schmutz- und Regenwasser - auf das beispielsweise Holzheim und Norf gesetzt hätten - sei in der Anschaffung günstiger als zwei getrennte Rohre, habe in der Folge jedoch höhere Unterhaltskosten. "Heutzutage werden deshalb hauptsächlich Trennsysteme gebaut", sagt Heiertz.

(NGZ)