Heimatfreunde stellten Mühlrad im Rosengarten auf: Wasserkraft trieb Mühlen zum Erfolg

Heimatfreunde stellten Mühlrad im Rosengarten auf: Wasserkraft trieb Mühlen zum Erfolg

Wenn die Heimatfreunde Sonntag ein neues Denkmal in Form eines Mühlrades am Rosengarten der Öffentlichkeit übergeben, so erinnern sie an die Jahrhunderte alte Geschichte der Neusser Mühlenwirtschaft, die die Quirinusstadt nachhaltig geprägt hat. Mühlen gab es dabei in den verschiedenen Formen: Solche, die durch Wasser und Wind betrieben wurden oder solche, die durch Pferde ("Roßmühlen") in Gang gehalten wurden. Später kamen dampfbetriebene Mühlen hinzu. Das von der Vereinigung der Heimatfreunde auch mit Hilfe von Sponsoren erstellte Wasserrad im Stadtbefestigungsgraben im Rosengarten wird morgen um 11.30 Uhr im Rahmen einer kleinen Feierstunde der Öffentlichkeit übergeben. -->

Wenn die Heimatfreunde Sonntag ein neues Denkmal in Form eines Mühlrades am Rosengarten der Öffentlichkeit übergeben, so erinnern sie an die Jahrhunderte alte Geschichte der Neusser Mühlenwirtschaft, die die Quirinusstadt nachhaltig geprägt hat. Mühlen gab es dabei in den verschiedenen Formen: Solche, die durch Wasser und Wind betrieben wurden oder solche, die durch Pferde ("Roßmühlen") in Gang gehalten wurden. Später kamen dampfbetriebene Mühlen hinzu. Das von der Vereinigung der Heimatfreunde auch mit Hilfe von Sponsoren erstellte Wasserrad im Stadtbefestigungsgraben im Rosengarten wird morgen um 11.30 Uhr im Rahmen einer kleinen Feierstunde der Öffentlichkeit übergeben. -->

Zunächst waren die Getreidemühlen von Bedeutung. Hierzu waren schon die landschaftlichen Voraussetzungen günstig, denn die fruchtbaren Gegenden der Gilbach und des Jülicher Landes lagen für Neuss verkehrsgünstig. Zuerst wurde die "Epges-(Äbtissin)-Mühle" des Quirinusstiftes 1195 erwähnt. Später gelang auch der Stadt (1445) der Erwerb einer Mühle vom Kölner Erzbischof. Sie legte damit den Grundstein für eine herausragende wirtschaftliche Entwicklung. Auch der Neusser Fruchthandel war sehr bedeutend, so dass im Spätmittelalter das "Neusser Malter" (240 Pfund) am Niederrhein die allgemeingültige Maßeinheit war.

Ein entscheidendes Datum für die Neusser Mühlenwirtschaft wurde dann der 18. März 1456, als die Stadt vom Erzbischof das Recht erwarb von der Erft eine Zuleitung in die Krur und die Stadtgräben zu bauen, womit ausreichend Wasser in die Quirinusstadt geleitet werden konnte. Danach entwickelten sich insbesondere an den Stadttoren neue Mühlen; 1785 waren zum Beispiel am Obertor zwölf Wasserräder in Betrieb. Nach den Getreidemühlen kamen die Ölmühlen, die eine noch schnellere und bedeutendere Entwicklung nahmen. Aus Raps, Lein und anderen heimischen Ölfrüchten wurden dort Öle hergestellt. Diese konnte für Lacke und Farben oder auch für Margarine und vieles mehr den Grundstoff bieten.

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Schon vor der Ölproduktion in Neuss gab es einen regen Handel mit Ölen, die aus den Niederlanden von Neusser Kaufleuten eingekauft wurden und in Köln verkauft wurden. Seit dem 16. Jahrhundert dann, wurde in der Domstadt mit Öl aus eigener Produktion gehandelt. Eine der größten Ölmühlen betrieb seit 1816 der Aachener Kaufmann Heinrich Thywissen. Nach dem Abzug der Franzosen verkaufte nämlich die Stadt Neuss ihre Mühlen und es begann die Zeit der bedeutenden Kaufmanns-Familien. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung begann mit der Industrialisierung der Mühlenwirtschaft. So baute Heinrich Thywissen 1828 eiserne Triebwerke und hydraulische Pressen ein. Neuss entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Ölmühlenplätze in ganz Deutschland.

Zu den wichtigsten Firmen gehör(t)en P. W. Kallen, O. & L. Sels, Werhahn und Nauen, die Neusser Dampfmühlen AG, Walter Rau und, in der Nachfolge von Heinrich Thywissen, der 1865 Konkurs anmelden musste, Caspar Thywissen. Auch die Getreidemühlen nahmen im 19. Jahrhundert eine bedeutende wirtschaftliche Entwicklung. 1833 gründete Adolf Linden die erste private Mehlmühle am Rheintor. Auch dort revolutionierte die Dampfkraft die Produktion. Die größte Neusser Mühle war lange Zeit die 1868 gegründete Mehlmühle der Gebr. Lazarus und Werhahn übrig. In den 20er Jahren befand sich in Neuss die stärkste Mehlmühlenindustrie Westdeutschlands. Die noch heute existierende Hansamühle (Plange) von Wilh. Werhahn wurde 1925 gegründet. Carsten Greiwe

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