Neuss: Was tun mit 50 Bunkern?

Neuss: Was tun mit 50 Bunkern?

Etwa 50 Schutzräume aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet die Liegenschaftsverwaltung in Neuss. Ganz genau aber weiß die Stadt das nicht, denn ein Bunkerkataster gibt es nicht. Nur sechs Bauten werden aktuell genutzt.

65 Jahre nach Kriegsende macht sich die Liegenschaftsverwaltung der Stadt daran, die Reliktes des Zweiten Weltkrieges zu dokumentieren. Die Bunker. Bis zu seiner Pensionierung in zwei Jahren will Peter Ritters diese Arbeit abschließen. Der 62-jährige "Herr der Bunker" vermutet etwa 50 Bunker in Neuss. Aber so ganz genau weiß das niemand.

Denn ein Kataster der ehemaligen Schutzräume im Stadtgebiet gibt es nicht, dafür aber immer noch Zufallsfunde — wie der 2009 beim Bau eines Radweges am Grefrather Weg freigelegte Zugang zu einem Röhrenbunker beweist.

Seit fünf Jahren sind die Bunker auf öffentlichen Flächen Sache des Gebäudemanagementes, nur die Hochbunker an Adolf-Flecken-Straße, Berghäuschensweg und Bergheimer Straße blieben im Besitz des Bundes. Die anderen Schutzräume wurden zuvor vom Amt für Katastrophenschutz und später von der Feuerwehr verwaltet. Dass sie Gegenstand sicherheitspolitischer Überlegungen waren, liegt allerdings schon lange zurück. Zur Zeit der Kuba-Krise Ende 1962 sei das gewesen, sagt Ritters — der kurz danach selbst zur Verwaltung kam.

Dokumentation der Bunkerstandorte heißt auch, den Zustand der jeweiligen Anlage festzuhalten. Und die Art der Nutzung. Die allerdings hat Ritters schnell aufgezählt. "Sechs Bunker sind vermietet", sagt er: Kölner Straße, Venloer Straße, Bahnstraße, Grüner Weg, Niedertor und Hafenstraße.

Dort, hinter dem VHS-Weiterbildungszentrum, ist mit 300 Quadratmetern der größte und am besten erhaltene Bunker in städtischem Besitz. Genutzt werden diese vermieteten Einrichtungen vor allem als Lager — für eine Jahresmiete bis 200 Euro.

Andere Nutzungen sind problematisch. Feucht und dunkel und oft ohne zweiten Fluchtweg, musste eine Anfrage eines Schützenvereins abgelehnt werden, der den Bunker an der Brückerfeldstraße als Schießstand nutzen wollte.

So sind die meisten Bunker nutzlos, einfach nur da und oft zu übersehen. Wie die vier Bunker, die auf dem einen Hektar großen Areal des Botanischen Gartens zum Teil überbaut wurden, oder die an der Nordkanalallee, die in Büschen verschwunden sind. Oder der Bunker am Niedertor, auf dem ein Spielplatz angelegt wurde.

So schlummern sie vor sich hin, sind zum Teil zugemauert und verschweißt, zum Teil als Fledermausquartiere hergerichtet, zum Teil Gegenstand regelmäßiger Kontrollen.Teuer werden sie, wenn sie — wie auf dem Wenderplatz — im Weg sind. Den Abbruch im nächsten Monat lässt sich die Stadthafen GmbH einige zehntausend Euro kosten.

(NGZ)