Neuss: Warum Frauen die Macht meiden

Neuss : Warum Frauen die Macht meiden

Britta Zangen hat einen Doktortitel – doch auf der Einladung zum Weltfrauentag, bei der die Neusser Grünen zum Vortrag geladen hatten, war der Titel vergessen worden. "Was für ein wunderbarer Einstieg für mich", lobte Zangen, die auch im weiteren Verlauf mit viel Witz und Sarkasmus ihre Gedanken zum Thema "Frauen und Macht" an die Zuhörerinnen vermittelte.

Britta Zangen hat einen Doktortitel — doch auf der Einladung zum Weltfrauentag, bei der die Neusser Grünen zum Vortrag geladen hatten, war der Titel vergessen worden. "Was für ein wunderbarer Einstieg für mich", lobte Zangen, die auch im weiteren Verlauf mit viel Witz und Sarkasmus ihre Gedanken zum Thema "Frauen und Macht" an die Zuhörerinnen vermittelte.

"Wäre der Fauxpas mit dem Doktortitel auch bei einem männlichen Gast passiert?", fragte Zangen in die Runde und erinnerte die anwesenden Damen daran, wie viel Ehrfurcht gerade Frauen Doktoren und Professoren entgegenbringen.

"Männer werden oft bewundert", meinte Zangen. Bei Frauen dagegen werde schnell gesagt: "Wenn die das geschafft hat, kann es nicht so schwer gewesen sein." Denn immer noch, so die These der engagierten Feministin, werden Frauen in hohen Positionen anders wahrgenommen als Männer. Hinzu komme noch ein weitaus größeres Problem: Frauen trauten sich Machtpositionen oft nicht zu, es mangele ihnen an Selbstbewusstsein. Zangen weiß, wovon sie spricht: Die Düsseldorferin, Jahrgang 1947, brauchte lange, um sich zu emanzipieren, zu sehr hatte sie ihre beruflichen Ziele dem Wunsch untergeordnet, eine Hausfrauenehe zu führen.

Die Literaturwissenschaftlerin promovierte erst mit Ende 40 und schrieb über ihre Erfahrungen das Buch "50 plus und endlich allein". Heute gibt sie ihre Erfahrungen weiter, versucht vor allem zu verdeutlichen, dass Macht nicht gleich Machtmissbrauch bedeutet. "Frauen müssen sich klar machen, das Machtpositionen die Möglichkeit bieten, Dinge positiv zu verändern", sagt Zangen. Ehrgeizig zu sein, dürfe nicht als Makel begriffen werden, fordert sie — und mahnt zugleich vor Frauen, die ihren Geschlechtsgenossinnen gute Positionen neiden.

"Wer als Frau an der Macht ist, muss mit Liebesverlust rechnen", sagt Zangen. Denn oft tendierten Frauen dazu, Schicksalsgemeinschaften zu bilden, etwa um in der Gruppe über den bösen Chef oder Benachteiligungen zu klagen. Sei plötzlich eine dieser Frauen an der Macht, werde ihr das Vertrauen entzogen. "Frauen müssen sich aber gegenseitig stützen", fordert Zangen.

(NGZ/rl)
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