Neuss: Wandernder Taktstock

Neuss : Wandernder Taktstock

Neuss Die siebenstrophige Dichtung "Alexander's Feast - or the Power of Musick - an Ode wrote in Honour of St. Cecilia" verfasste der englische Dramatiker John Dreyden im Jahr 1692. Dryden erzählt darin von dem Fest, das Alexander der Große nach seinem Sieg 330 vor Christus in der eroberten Stadt Persepolis ausrichtete, eine historische Begebenheit, die durch Plutarch überliefert ist.

Neuss Die siebenstrophige Dichtung "Alexander's Feast - or the Power of Musick - an Ode wrote in Honour of St. Cecilia" verfasste der englische Dramatiker John Dreyden im Jahr 1692. Dryden erzählt darin von dem Fest, das Alexander der Große nach seinem Sieg 330 vor Christus in der eroberten Stadt Persepolis ausrichtete, eine historische Begebenheit, die durch Plutarch überliefert ist.

Dreydens für den Namenstag der Heiligen Cäcilia verfasste Ode wurde mehrfach vertont, unter anderen von Jeremiah Clarke und Thomas Clayton. Ihre berühmteste musikalische Ausgestaltung aber stammt wohl von Georg Friedrich Händel.

Studenten der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf nahmen sich am Mittwoch Abend Händels "Alexander-Fest" an und führten das Oratorium im Rahmen der Kirchenmusikwoche im Münster auf. Das Besondere: Im Verlauf des Abends wanderte der Taktstock durch neun verschiedene Hände. Chorleitungsstudenten der Klassen Professor Raimund Wippermann, Professor Susanne Rohn und Dennis Hansel wechselten sich mit der Leitung der einzelnen Werkteile ab.

Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich die einzelnen Dirigenten mit Kammerchor und Kammerorchester kommunizierten: mal mit eher zurückhaltender Körpersprache (Hee-Ju Lee), mal in großen, ausladenden Gesten (Jasmin Neubauer). Gut vorbereitet zeigten sie sich jedenfalls allesamt. Die Affekte Freude, Erhabenheit, Stolz, Mitleid und Liebe, die der Musiker Timotheus in der Ode Alexander und seiner Geliebten Thais musikalisch vermittelt, vermittelten sich ebenso eindrücklich im Dirigat der jungen Kirchmusiker aus Düsseldorf.

Die Instrumentalisten im Kammerorchester taten hörbar ihr Bestes (allerdings nicht immer synchron), der Chor zeigte sich vor allem in Versen wie "So Love was crown'd, but Music won the cause" gut aufgelegt.

Aus der Riege der Solisten ragte der Bassist Sebastian Klein heraus: eindrucksvoll, wie volltönend der Kantor der Düsseldorfer Neanderkirche etwa die wechselhafte Arie "Revenge, Timoetheus cries" gestaltete, in der Timotheus Alexander ermahnt, dass die Leichen der gefallenen Krieger auf den Schlachtfeldern noch immer unbestattet liegen. Sopranistin Sandra Diehl überzeugte immerhin in "War, he sung, is toil an trouble", Wolfgang Klose Tenor klang dagegen arg gepresst und bemüht.

Mutig war es, das an sich schon lange und ohne Pause musizierte Oratorium (viele Konzertbesucher gingen früher) noch um ein eingeschobenes Mini-Orgelkonzert zu verlängern. Matthias Bartsch übernahm hier den klangvollen Solopart - ein paar hastig verschluckte Läufe in den Allegro-Partien seien ihm verziehen.

(NGZ)
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