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Neuss: Waldkindergarten leidet unter Sturmschäden

Neuss : Waldkindergarten leidet unter Sturmschäden

Die Mädchen und Jungen des Waldkindergartens in Rosellerheide dürfen sich mehrere Wochen lang nicht im Mühlenbusch aufhalten.

Es gibt ein Bobbycar, eine Rutsche, einen Bagger und Sandspielzeug. Doch Finn guckt ein bisschen traurig - er ist nämlich eigentlich andere Spielgeräte gewohnt. "Am liebsten klettere ich im Wald", erzählt der Vierjährige. Lara würde jetzt gerne Purzelbäume über ein zwischen "Lebensbäumen" gespanntes Seil schlagen. Die Augen des fünfjährigen blonden Mädchens leuchten, als sie davon erzählt. "Dort, auf dem Lebensbaumplatz, gibt es außerdem eine tolle Baumschaukel."

Finn und Lara sind zwei von 20 Kindern, die den Waldkindergarten "Frischlinge" in Rosellerheide besuchen. Nach dem verheerenden Sturm am Pfingstmontag steht der Kindergarten praktisch ohne Aufenthaltsort da, denn der Mühlenbusch ist wohl noch mehrere Wochen gesperrt.

Es ist Montagmorgen, halb neun. Die Sonne strahlt. "Normalerweise brechen wir um die Zeit auf, um auf unserem ,Waldsofa' zu frühstücken", erzählt Susann Kollatsch, die Leiterin dieser in Neuss einmaligen Einrichtung. "Einen normalen Kindergartentag verbringen wir fast ausschließlich im Wald." Jetzt liegen auf den etwa sechs bis acht Waldplätzen, die die Kinder und Erzieherinnen jeden Tag von morgens bis mittags aufsuchen, umgefallene Baumstämme und abgebrochene Baumkronen. Wenigstens das Kita-Gelände um einen alten Bauwagen, der als Aufenthaltsort bei sehr schlechtem Wetter dient, ist seit vergangener Woche wieder zugänglich.

"Wir kamen am Tag nach dem Sturm gar nicht auf das Gelände, weil auf dem Weg dorthin alle zwei Meter ein umgefallener Baum lag", berichtet Susann Kollatsch. Seit dem Sturm haben der Erftverband, eine Gartenbaufirma und vor allem die Eltern viel Arbeit geleistet, um den Platz um den Bauwagen gefahrlos nutzbar zu machen. "Wir haben aber noch viel vor uns", berichtet die Leiterin. Der Zaun sei beschädigt und müsse repariert werden, das Bauwagen-Dach habe eine Delle, weil ein Baum darauf gefallen war und das Gelände solle wieder neu bepflanzt werden.

Da ein "normaler" Tagesablauf im Wald wahrscheinlich erst nach den Sommerferien Mitte August möglich wird, denken sich Eltern und Erzieherinnen Alternativen aus: "Wir bündeln alle übers Jahr geplanten Ausflüge - in die Stadtbibliothek, zum Zirkus, zum Erdbeerfeld oder auf einen Bauernhof", sagt Kollatsch. "Die Kinder sind Bewegung gewohnt. Für sie bedeutet die Waldsperrung eine große Einschränkung." Im Wald beobachten die Kinder Käfer und Ameisen, gestalten große Malblätter, die an Baumästen befestigt sind, lauschen im Gras einer spannenden Geschichte - und nutzen Äste, Baumstämme und Laub als Spielgeräte. Vorschule, Sprachförderung, feinmotorische Übungen - all das findet normalerweise ebenfalls im Wald statt.

"Das Positive: Die Kinder lernen, was durch ein Unwetter in der Natur passiert - und gestalten ihre Waldplätze in einigen Wochen wieder neu", sagt Kollatsch. Heute freuen sich Lara, Finn und die anderen "Waldkinder" auf ein ganz ungewohntes Programm: Die Frischlinge gehen zur Kinderbelustigung der bruderschaft St. Peter und Paul auf den Schützenplatz.

(NGZ)