Neuss: Wald im Wandel

Neuss: Wald im Wandel

Die Stadt ist waldarm. Nur 320 Hektar von insgesamt 9948 Hektar Stadtgebiet sind bewirtschaftete Forste in kommunalem Besitz. Doch der wächst und verändert sein Gesicht. Pappeln wird es bald kaum noch geben.

Neuss Der Wald im Stadtgebiet wächst und verändert sein Gesicht. Am deutlichsten ist das am Bestand der Pappeln abzulesen, die man in zwei Jahren, wenn der seit 1989 verfolgte Forstbetriebsplan abgearbeitet sein wird, in städtischen Forsten nur noch vereinzelt finden wird.

"Umbau" nennt das Stefan Diener, der Leiter des Grünflächenamtes. Und dieser Umbau hat viele Effekte. Denn der Neusser Wald wandelt sich zu einem artenreichen Mischwald, in dem 28 Arten gezählt werden - von Ahorn bis Zeder.

Weil bei den Neupflanzungen standorttypischen Gehölzen der Vorzug gegenüber Bäumen wie etwa den Pappeln gegeben wird, die nach dem Krieg als schnellwachsende Bäume auch einen raschen Nutzen und Ertrag versprachen, ist Diener überzeugt: "In drei Jahren sind wir so weit, dass wir den Stadtwald als langlebigen Wald gesichert haben".

Mit dieser Bewirtschaftungspolitik und der Verjüngung des Bestandes wiederum begründeten Experten, die im vergangenen Jahr (zum ersten Mal seit 1991) einen örtlichen Waldschadensbericht erarbeiteten, den guten Zustand der Forste in städtischem Besitz. 55 Prozent der Bäume gelten als gesund - das war deutlich über dem Landesmittel.

In die Praxis umgesetzt wird der Forstwirtschaftsplan, der 1989 mit einer Laufzeit von 20 Jahren beschlossen wurde, von der Forstkolonne des Amtes. Julia Flatow und Dietmar Amelung waren am Montag in dieser Mission unterwegs. Unterhalb des Scheibendamms hielten sie in einem gerodeten Pappelbestand den Aufwuchs klein, damit die neu gepflanzten Ahorn-Bäumchen Licht und Luft zum Wachsen haben.

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Bei Neupflanzungen sind Laubhölzer die Regel geworden (siehe Grafik). Wobei unterschieden wird zwischen schnell schlagreifen Arten (Fachwort: mit niedrigem Umtrieb) und Arten, die, so Diener, "sehr alt werden." Nadelhölzer werden fast nur auf sandigen Böden gesetzt, wie etwa am Reck- und Himmelsberg.

Anfang des Jahres war der Forstbetriebsplan durcheinander geraten, als der Sturm Kyrill auch in Neuss Kleinholz machte. Damals wurden erst die sichtbaren Schäden beseitigt, erklärt Diener. Das hieß, dass Arbeiten, die sich aus dem Plan ergeben, verschoben wurden.

Sorge, dass das Holz liegen bleibt, besteht im Grünflächenamt nicht. Die Nachfrage nach Holz zu Heizzwecken ist in einem Umfang gestiegen, wie das seit dem Weltkrieg nicht mehr erlebt wurde, berichtet Rudolf Westermann, der stellvertretende Amtsleiter.

Verdreifacht hätten sich die Anfragen in den vergangenen zwei Jahren - und der Preis zog mit. Ein Raummeter ungetrocknetes Brennholz kostet derzeit 40 Euro.

(NGZ)
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