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Neuss: Wahlplakate im Experten-Check

Neuss : Wahlplakate im Experten-Check

Design-Professor Wilfried Korfmacher analysiert für die NGZ Neusser Wahlplakate, die immer noch eine wichtige Rolle im Wahlkampf spielen. Er sagt, worauf es bei der Botschaft von Bildern, Farben und Texten ankommt.

Die Bürger wählen einen neuen Landtag. Die Parteien haben den 13. Mai im Blick. Der Wahlkampf läuft auf vollen Touren — davon zeugt auch das bunte Bild in den Straßen, denn mit Plakaten werben Kandidaten und Parteien um die Stimmen der Neusser. Im Gespräch mit der NGZ-Redaktion analysiert Professor Wilfried Korfmacher (54), Designexperte der Fachhochschule (FH) Düsseldorf, diese traditionelle Form der Politwerbung.

Foto: ngz

Ist Plakatwerbung noch zeitgemäß? Für Korfmacher ist das Plakat das letzte verbliebene Leitmedium, das mit seiner permanenten Präsenz durchaus auch als gemeinsame Kampagne zur Mobilisierung zu verstehen sei: "Wir werden daran erinnert, dass wählen zu dürfen ein Grundrecht ist, das uns Freiheit und Demokratie garantiert."

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Was kann Plakatwerbung gut? Korfmachers These "Jede Wahl ist kommunal" dokumentiert das Plakat auf ideale Art und Weise, weil es vor Ort "selektiv und punktgenau" eingesetzt werden kann. Korfmacher: "Jedes Plakat ist eben auch kommunal." Für den Designexperten findet der wahre Wahlkampf eh auf der Straße statt: "Die Bedeutung der Plakatwerbung mag sich über die Jahre relativieren, aber sie ist immer noch hoch, weil sie Botschaften und Reize penetriert."

Foto: ngz

Wie wichtig sind die Plakatbilder? Die Kandidaten werden sympathisch, jugendlich, leger in Szene gesetzt; es geht auch ohne Krawatte und Sakko. Porträtfotos entstehen zunehmend nicht mehr im Studio, sondern unter freiem Himmel. Die Wahl des Umfeldes sendet weitere Botschaften aus. CDU-Bewerber Jörg Geerlings zeigt sich mit dem Neusser Wahrzeichen, der Quirinuskirche, Hans Christian Markert (Grüne) vor der Hafenkulisse "und eben nicht mit einem Windrad" (Korfmacher). Ein Hinweis, dass den Grünen die Symbiose von Ökologie und Ökonomie wichtig ist.

Foto: ngz

Welche Rolle haben die Plakatfarben?

Farben gehören zum Corporate Identity der Parteien, bei den Grünen gibt gar der Name die Farbe vor. Die FDP bleibt bei den vertrauten Farben Geld und Blau. Die CDU — Korfmacher: "Wem ist bewusst, dass der CDU-Schriftzug rot ist?" — bedient sich seit Jahren beim "unternehmerischen Blau des Nadelstreifenanzugs". Die Farbe drücke Seriosität, Gediegenheit und Sicherheit aus. Dazu komme seit einigen Jahren das unkonventionelle Orange, das Offenheit signalisiere. Die SPD experimentiere — zumindest landesweit — mit einem "modischen Kontrast". Sie spiele mit relativ blassen Tönen in Lila und Magenta: "Das kommt unaufdringlich-edel daher."

Werden Textzeilen wahrgenommen?

Für differenzierte Aussagen bleibt selten Platz. Slogans sollen einprägsam sein, gleichen sich vermeintlich, doch ein zweiter Blick lohne sich. SPD-Bewerber Reiner Breuer ("Kraftvoll für Neuss") spielt mit dem Namen der Spitzenkandidatin. Für die CDU ist Jörg Geerling "stark" — stark für Neuss, stark für NRW. Für die FDP versucht es Hermann-Josef Verfürth mit Mundart: Net kalle, donn! Korfmacher: "In Neuss geht das." Und Hans Christian Markert (Grüne) "Macht den Unterschied" ... "zu den Piraten" denkt sich Wilfried Korfmacher.

(NGZ/rl)