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Oldtimer nach der Restaurierung im alten Glanz: VW-Bulli von "Rheinland-Lichtkuppeln" aufgetaucht

Oldtimer nach der Restaurierung im alten Glanz : VW-Bulli von "Rheinland-Lichtkuppeln" aufgetaucht

"Klaus Esser KG muss Personal reduzieren - die anhaltende Rezession vornehmlich im Bereich des Gewerbe- und Industriebereiches hat auch bei der in Norf ansässigen Firma Klaus Esser KG zu negativen Folgerungen geführt. Neben Kurzarbeit wurden bei der durch "Rheinland"-Lichtkuppeln bekannt gewordenen Firma von den fast 1.000 Mitarbeitern in einem ersten Schritt 200 entlassen."

Das berichtetet am 12. Oktober 1974 die NGZ und machte den Beginn einer Entwicklung deutlich, bei der am Ende das renommierte Unternehmen mit seiner über die Landesgrenzen hinaus bewährten Fertigung von Lichtkuppeln und Dachgullys aufgegeben musste. Obwohl diese Hauptprodukte von der Eternit AG übernommen wurden, verloren viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Was würden Neusser wohl sagen, wenn heute plötzlich eines der alten Montage- und Botenfahrzeuge mit der damals üblichen Beschriftung über die Straßen rollen würde? Das wäre gar nicht so abwegig, denn es existiert noch ein VW T2-Bus mit der originalen Werbung des Unternehmens.

Das ist der Interessengemeinschaft Volkswagen T2 aus Krefeld zu verdanken, einem Zusammenschluss von Oldtimer-Enthusiasten, die diese VW-Modelle aus den Jahren 1967 bis 1972 restaurieren, sammeln und im eigenen Museum ausstellen. Alexander Prinz aus Salzgitter, der 2. Vorsitzende, hatte 1998 das zu dieser Zeit noch grau lackierte Exemplar in Wuppertal gekauft und mit seiner Mannschaft liebevoll restauriert. Es existierte sogar noch der alte Kfz-Brief mit der Eintragung: Erstbesitzer Klaus Esser KG. Hergestellt wurde dieses Fahrzeug am 21. Januar 1970, von der Esser KG beim damaligen Händler Häberli in Düsseldorf-Oberkassel gekauft und am 28. April 1970 zugelassen.

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Weil nicht nur die Restaurierung der alten Schätzchen für die Oldtimer-Freunde interessant ist, sondern auch deren Geschichte, recherierte Prinz und gelangte über viele Umwege an Rainer Esser, ein Familienmitglied des früheren Unternehmens, das heute in Düsseldorf Mitinhaber einer Werbeagentur ist. Rainer Esser konnte nicht nur zum geschichtlichen Hintergrund des Unternehmens Esser KG erzählen, sondern auch Fotos der früheren Esser-Lackierung beisteuern. Daher präsentiert sich das T2-Modell heute wieder in dem typischen Gelb / Rot und der damaligen Beschriftung "Klaus Esser. "Rheinland-Lichtkuppeln", Dachentwässerung, Dachabdichtung, vorbeugender Brandschutz."

Auf den Türen und am Heck ist wie früher zu lesen: Klaus Esser KG, Norf, Bez. Düsseldorf. Mit diesem in damaliger Zeit auffälligen Design hatte das Unternehmen 1973 sogar den ersten deutschen Marketingpreis gewonnen. Das Fahrzeug vom Typ T2a mit dem Kennzeichen GV-AJ 249 war eines von etwa 30 Esser-Kastenwagen und tat bis 1972 seinen Dienst. Die VW-Busse wurden im Werk dazu benutzt, die Mitarbeiter morgens beziehungsweise abends abzuholen oder nach Hause zu bringen. Dazu bekam der am weitesten entfernt wohnende Mitarbeiter das Fahrzeug zur Verfügung gestellt und sammelte die Kollegen ein.

Tagsüber wurden die Wagen für Botengänge, Post abholen oder als Zubringer benutzt. Neben den Bussen gab es eine Vielzahl von Montagefahrzeugen, alle im gleich Look. Diese VW-Bullis oder Kastenwagen waren speziell für die Montage von Lichtkuppeln sowie Rauch- und Wärmeabzugsanlagen werkzeugtechnisch eingerichtet. Es gab auch eine Werksfeuerwehr, bestehend aus einem Unimog, der gleichzeitig als Lokomotive genutzt wurde und einem VW-Kastenwagen mit einem zusätzlichen Pumpen- und Schlauchanhänger. Für die Geschäftsleitung war die Pflege der Fahrzeuge immer ein wichtiges Thema. Dafür gab es eine eigene Waschhalle mit Hochdruckreiniger, Schwamm und Leder.

Und wehe, so erzählt Rainer Esser weiter, es fuhr einer mit einem schmutzigen Wagen vom Hof. Dann wurde er vom Chef persönlich zurückgepfiffen und musste erst den Wagen sauber machen. Aber das sei bei jedem höchsten einmal vorgekommen. Zwei Jahre nach der Erstzulassung wurde der Bulli mit der Fahrgestell-Nummer 210.120.055 der Feuerwehr Norf überlassen; nach der Eingemeindung von Norf nach Neuss kam das nunmehr rot-weiß lackierte Mobil dann zur Feuerwache Neuss. Hauptbrandmeister Hubert Hilgers kann sich noch erinnern, dass der Bulli bis 1996 als Kleinalarmfahrzeug und Werkstattwagen seinen Dienst tat.

Auf der Techno-Classica in Essen, der Weltmesse für Oldtimer und Classic-Cars, die noch bis Sonntag geöffnet hat, ist der Esser-Bulli auf dem Messestand "VW-Transporter in Handel und Gewerbe" (Halle 8.1) zu sehen. Wer an Wiking-Modellautos interessiert ist, kann den Esser-Bulli im Maßstab 1:87 sogar in Essen kaufen und mit nach Hause nehmen. Rolf Hoppe Zunächst als Montagewagen im Einsatz, später von der Feuerwehr als Kleinalarmfahrzeug genutzt, dann in private Hände gekommen und liebevoll restauriert, trägt der VW T2 wieder die alte Klaus Esser KG-Lackierung.

(NGZ)