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Umwandlung in eine Gemeinschaftsgrundschule: Vor dem Umbruch

Umwandlung in eine Gemeinschaftsgrundschule : Vor dem Umbruch

Die Neusser Schullandschaft steht vor weiteren Veränderungen: Vier katholische Grundschulen wollen sich in Gemeinschaftsgrundschulen umwandeln. An der Barbara-Schule im Neusser Norden sind die Eltern offenbar mehrheitlich für eine Umwandlung in eine Gemeinschaftsgrundschule.

Die Neusser Schullandschaft steht vor weiteren Veränderungen: Vier katholische Grundschulen wollen sich in Gemeinschaftsgrundschulen umwandeln. An der Barbara-Schule im Neusser Norden sind die Eltern offenbar mehrheitlich für eine Umwandlung in eine Gemeinschaftsgrundschule.

Ein kalter Wintermorgen in Uedesheim. Es ist 7.15 Uhr. Die sechs Jahre alte Anja steigt in den Bus. Als der an der St. Martinus-Grundschule vorbei fährt, denkt sie traurig an ihre Freundinnen, die zu dieser Zeit noch am Frühstückstisch sitzen. Anja ist evangelisch und hat keinen Platz an der katholischen Grundschule erhalten. Sie fährt nun jeden Morgen den langen Weg zur evangelischen Martin-Luther-Schule in die Innenstadt. Eine fiktive Situation. Noch. Denn zum neuen Schuljahr drohen vielen Kindern in Neuss weite Schulwege. Die Schulleiter der 19 katholischen Grundschulen haben die Anweisungen von der Schulaufsicht, zunächst nur Kinder dieses Bekenntnisses aufzunehmen, bis die Schlüsselzahl "25" für die Bildung einer Klasse erreicht ist.

Kommt diese so nicht zustande, dürfen andersgläubige Kinder hinzukommen, wobei evangelische Kinder auf dieser "Hitliste" am Ende rangieren. Ein unmöglicher Zustand, findet Dr. Christoph Sommer diese Vorgehensweise. Sommer ist seit drei Jahren Schulpflegschaftsvorsitzender der St. Martinus-Schule in Uedesheim. Dort laufen derzeit intensive Bemühungen, die Lehranstalt in eine Gemeinschaftsgrundschule umzuwandeln. "Wir wollen den drohenden Grundschüler-Tourismus vermeiden", sagt Sommer. "Die St. Martinus-Schule soll weiterhin eine Schule für alle Uedesheimer Schüler sein, unabhängig von ihrer Konfession." Derzeit gibt es in Neuss neben den 19 katholischen noch vier evangelische Bekenntnisgrundschulen (wobei die Paul-Gerhardt-Schule ausläuft) sowie sechs Gemeinschaftsgrundschulen.

Deren Zahl wird wohl zum nächsten Schuljahr steigen. Uedesheimer Eltern haben die notwendige Zahl an Unterschriften bereits an das Schulverwaltungsamt eingereicht, um den ersten Schritt des komplizierten Umwandlungsverfahrens einzuleiten. Nach allen Prüfungen dieser Unterschriften erfolgt dann mit dem Abstimmungsverfahren der entscheidende Schritt, der einem regulären Wahlverfahren mit Wahlurnen und Stimmzettel entspricht. Damit eine Umwandlung erfolgen kann, müssen zwei Drittel der Eltern zustimmen. - Eine hohe Hürde, die an der Barbara-Schule aber kein Problem darstellen wird. Glaubt Schulleiter Hans-Joachim Reich: "Wir haben hier einen Anteil von katholischen Schülern von unter zehn Prozent. Ich müsste sehr viele Schüler zur Gemeinschaftsschule Brücke abweisen, die weit entfernt liegt. Das ist unzumutbar."

Anfang Dezember haben an der Schule Unterschriftslisten vorgelegen. Binnen drei Tagen hätten, so Reich, 98 Prozent aller Eltern sich für eine Umwandlung ausgesprochen. Handlungsbedarf wird auch an der St. Konrad-Schule in Gnadental gesehen. Dort sind die Eltern für Montag zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Schulleiter Paul Mönks erklärt den Hintergrund: "Seit der Auflösung der benachbarten Theodor-Fliedner-Schule ist bei uns die Zahl der nicht-katholischen Schüler stark gestiegen. Wir werden von Eltern mit der Frage konfrontiert, warum wir keinen evangelischen Religionsunterricht anbieten." Auch an St. Konrad will man Ablehnungen von Schülern und deren weite Fahrten zu anderen Schulen mit einer Umwandlung in eine Gemeinschaftsgrundschule zuvorkommen.

"Ich kann die Motive der Eltern und die Angst vor einer Ablehnung verstehen", sagte Mönks. Schule Nummer vier ist die Richard-Schirrmann-Schule in Hoisten. In der übernächsten Woche kommen dort die Eltern zu einer Informationsveranstaltung zusammen, um über eine Umwandlung zu sprechen. "In Hoisten soll es eine Schule für die Kinder aller Konfessionen aus Hoisten, Speck, Wehl und Helpenstein geben", gibt Schulleiter Winfried Godde die Stimmung in der Elternschaft wieder. Die vier katholischen Grundschulen erhalten kirchlichen Beistand.

Stadtdechant Jochen Koenig äußert Verständnis: "Ich bin für eine sinnvolle Reduzierung der katholischen Grundschulen. Deren heutige Zahl entspricht nicht mehr der damaligen Zahl von katholischen Kindern, als die Schulen gegründet wurden. Es geht nicht an, dass Kinder morgens und mittags 45 Minuten mit dem Bus fahren müssen." Koenig spricht sich für "punktuelle Angebote" von Bekenntnisschulen in Neuss aus. "Es muss darauf geachtet werden, dass Gemeinschaftsgrundschulen christlich geprägt sind."

(NGZ)