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Neuss: Von Norf ins Kom(m)ödchen

Neuss : Von Norf ins Kom(m)ödchen

Die in Norf aufgewachsene Judith Jakob wollte eigentlich mal Tänzerin werden. Das Musical sagte ihr dann mehr zu, und jetzt ist sie auch im Kabarett angekommen – gleich an einer der ersten Adressen.

Ob die Besucher die junge Frau später auf der Bühne als jene wiedererkennen, die noch wenige Minuten zuvor ganz entspannt und immer wieder hell auflachend auf der Lederbank im Foyer gesessen hat? In einer halben Stunde muss Judith Jakob wieder in die Rolle der Sabine schlüpfen (meistens) und die leicht frustrierte Kabelträgerin spielen, die doch eigentlich mal Top-Journalistin werden wollte, aber sie hat die Ruhe weg beim Erzählen.

Allerdings ist die Premiere des Programms "Frau der Ringe" im Kom(m)ödchen auch schon längst überstanden; seitdem gehen die Karten für den Auftritt des Proseccopacks mit Jakob, Melanie Haupt und Nora Boeckler weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Und die 35-Jährige guckt immer noch ein bisschen, als ob sie es kaum glauben könnte. Nicht weil sie Erfolg nicht gewohnt ist – im Gegenteil –, aber im Kom(m)ödchen zu spielen, einer der ersten Adressen des bundesdeutschen Kabaretts, das kann sie immer noch kaum glauben. "Das ist schon was Besonderes", sagt sie.

Dabei ist sie ein bisschen zufällig dahingeraten. Jakob steht zwar seit 1999 regelmäßig auf der Bühne, aber vor allem in Musicals – zurzeit auch noch "Anatevka" im Musiktheater Gelsenkirchen –, aber zum Kabarett kam sie nur, weil sie Melanie Haupt gut kennt, die schon im Kom(m)ödchen-Ensemble gespielt und mit Bühnenchef Kay Lorenz die Idee für ein Erweiterung geboren hat. Jakob überzeugte beim Vorsprechen und brachte als Dritte im Bunde die Kölner Kollegin Nora Boeckler ins Spiel. "Wir sind ein Superteam", sagt die Künstlerin und ergänzt nachdenklich: "Ich weiß, dass es ein Privileg ist, etwas machen zu können, das einem wirklich Spaß macht."

Zur Bühne wollte sie schon als Schülerin. In Norf ist sie aufgewachsen, hat als Kind schon "gerne geträllert und getanzt" und sich eigentlich eher als Tänzerin gesehen. Ein Austauschjahr in Amerika mit Theaterprojekten und vor allem danach die Hauptrolle in dem Musical "Linie 1" am Norfer Gymnasium setzten dann die neuen Maßstäbe: Sie wollte eine Schauspielausbildung. Der erste Anlauf ging schief, aber Judith Jakob übte sich schon mal auf Bühnen in Düsseldorf. "Das war der Härtetest", erzählt sie, "in drei Monaten hatte ich nur einen einzigen Abend frei – am Heiligabend." Dass sie dennoch durchhielt, war dann für sie die letzte Bestätigung. Sie bewarb sich erneut, wurde im Musicalbereich der Folkwang-Hochschule angenommen.

Nach dem Abschluss hat es für sie nur selten Zeiten ohne ein Engagement gegeben. Sie, die von sich sagt, sich auch gerne treiben zu lassen ("ich bin kein Ellbogentyp"), bleibt dabei neugierig. Derzeit würde sie gerne "ausprobieren, zu sprechen" – für Hörbücher oder Hörspiele.

(NGZ)