Neuss: Von Nordstadt abgeschnitten

Neuss: Von Nordstadt abgeschnitten

Sie sind Neusser, und das gern. Seit dem Abriss der Brücke über die A 57 im Sommer jedoch können die Menschen auf der "oberen Morgensternsheide" das übrige Stadtgebiet mit dem Auto nur auf dem Umweg über Kaarst erreichen.

Kaum vier Dutzend Neusser leben auf der "oberen" Morgensternsheide, an den Straßen Auf dem Berg und An der Hecke, vom übrigen Stadtgebiet abgeschnitten durch die A 57. Normalerweise kein Problem, stellte doch die Brücke eine verlässliche Verbindung her. Doch die wurde im vergangenen Sommer abgebrochen, um einer neuen, breiteren Überfahrt Platz zu machen. Seither fühlen sich die Neusser hier geradezu wie in einer Enklave.

"Wir sind dankbar, dass wir wenigstens eine Behelfsbrücke für Fußgänger und Radfahrer bekommen haben", sagt Rita Cremer, die sich schon früh mit diesem Anliegen schriftlich an den Landesbetrieb Straßenbau NRW gewandt hatte. Die dreifache Mutter ist froh, dass ihre Kinder alt genug sind, den Weg zur Schule per Rad oder Mofa zurückzulegen. Busverbindungen? Fehlanzeige. Die Morgensternsheide besitzt keine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Tochter Susanna radelt früh morgens bis zur Venloer Straße, wo sie dann den Bus nehmen kann, um zum Gymnasium Marienberg zu kommen.

"Früher habe ich wesentlich öfter auf der Furth eingekauft und Besorgungen gemacht, aber bevor ich den Umweg über Gümpgesbrücke und Viersener Straße mache, bin ich ja schon in Kaarst", erklärt Rita Cremer. Will sie ihrer Mutter, die auf der "unteren Morgensternsheide" eigentlich nur wenige hundert Meter entfernt wohnt, etwas vom Einkaufen mitbringen, muss sie mehrere Kilometer fahren. "Da bin ich eine Viertelstunde unterwegs."

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Auch den Tagesablauf von Familie Vieten hat die fehlende Brücke durcheinander gewirbelt. Nicht nur, dass die letzte Kartoffelernte auf den Feldern jenseits der Autobahn für Landwirt Hans-Georg Vieten ungleich zeitaufwändiger war als üblich. Zumal auch die Unterführung zum Stadtwald wegen Bauarbeiten gesperrt wurde. "Da war mein Mann schon etwas genervt", erinnert sich Petra Vieten.

Seit die Stadt Neuss den Schulbus für die Heider-Kinder vor drei Jahren eingestellt hat, bringt die 45-Jährige Sohn Nicolas zur Karl-Kreiner-Schule. Bisher erprobte Fahrgemeinschaften lösten sich auf: Der Umweg war niemandem zuzumuten. "Solange Schnee lag, habe ich auch die beiden Großen zum Marie-Curie-Gymnasium gebracht, weil die Behelfsbrücke mit dem Rad kaum passierbar war", erzählt sie. Unterschiedlicher Schulschluss, Fußballspielen bei der SVG Weißenberg am Nachmittag: An manchen Tagen fuhr Petra Vieten fünf Mal hin und her — Umweg mit Staus auf der L 390 und Warten vor der Schranke am Bahnübergang inklusive. Und auch die Kundschaft, die sich sonst mit Kartoffeln und Kohl versorgt, bleibt aus. " Da müssen wir durch", meint sie.

(NGZ)