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Neuss: Von Neuss aus Tiere im Ausland schützen

Neuss : Von Neuss aus Tiere im Ausland schützen

Petra Schmidt, Vorsitzende des Vereins "Sunnydays for animals", will nicht nur in der Türkei, sondern nun auch in Spanien aktiv werden.

Tieren in aller Welt helfen, Menschen in Deutschland motivieren, auch mal über den Tellerrand zu schauen, das sind die Ziele Petra Schmidts. "Das Thema Tierschutz bekommt noch immer viel zu wenig Aufmerksamkeit", findet die Neusserin. Daran will sie etwas ändern: Petra Schmidt ist Vorsitzende des Tierschutzvereins "Sunnydays for animals", der es sich zum Ziel gesetzt hat, Straßentieren in anderen Ländern zu helfen.

Die 18 aktiven Mitglieder des Vereins leiten beispielsweise Kastrationsaktionen in der Türkei in die Wege. Nun gehen die Tierschützer ein neues Protest-Projekt an: In den spanischen Urlaubsorten Cala Ratjada und Capdepera hat die Stadtverwaltung Schilder aufgestellt, die es verbieten, Straßentiere zu füttern. Verstöße werden mit Geldstrafen von bis zu 750 Euro geahndet. "Es ist schrecklich, die Tiere einfach so verhungern zu lassen", sagt Schmidt erbost. Die Vereinsvorsitzende fordert, die Streuner einzufangen und nach der Kastration wieder auszusetzen. "Dieses System hat sich bewährt, um die Zahl der Straßentiere zu verringern, ohne sie umzubringen oder ihnen zu schaden", berichtet sie. "Auch die Weltgesundheitsorganisation schreibt in ihren Richtlinien diese Art des Umgangs mit Straßentieren vor."

Die Idee, den Verein zu gründen, brachte Schmidt aus einem Türkeiurlaub mit. Neben den üblichen Touristenzielen hatte sie dort einen Ort besucht, den die wenigsten Urlauber anstreben: ein Tierheim. "Diese Erfahrung hat mich geprägt", erinnert sie sich. "Die Zustände waren schrecklich, die Räume für die Tiere waren überfüllt, und es gab kein richtiges Futter."

So entschlossen sie und ihr Mann sich, "Sunnydays for animals" zu gründen. Aktive Helfer zu finden, war nicht einfach, eine Zeit lang versuchten die Beiden, das Projekt beinahe allein zu stemmen. "Glücklicherweise haben wir jetzt Leute, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und uns unter Umständen auch mal auf eigene Kosten vor Ort, also meistens in der Türkei, zu unterstützen", sagt die Vorsitzende.

In Spanien versuchen die Helfer, den Bürgermeister zum Einlenken zu bewegen — derzeit noch ohne Erfolg. Anstatt den Kastrationsplänen zuzustimmen, hat die Stadtverwaltung angeboten, für die Tiere eine sogenannte "Tötungsstation" zur Verfügung zu stellen. Für die Tierschützer unverständlich. "Nach der Kastration kann man die Tiere wieder aussetzen und an überwachten Futterplätzen etwas zu Essen bereitstellen", sagt Petra Schmidt. Das sei die humanste und kostengünstigste Möglichkeit. "In der Türkei haben die Futterstellen-Betreuer ständig Kontakt zu den Tieren, sodass sie sehen können, ob alles in Ordnung ist oder ob ein neues Tier dazukommt", erzählt Schmidt von der Methode, die auch Neusser Tierschützer anwenden. Neben einer Gewährleistung, dass die Tiere gut versorgt sind, hätten auch Hotels und Restaurants keine Probleme mit bettelnden Streunern mehr.

In Petra Schmidts Haus sind fünf Katzen zuhause. "In Deutschland ist die Lage für Tiere auch alles andere als rosig", meint die hauptberufliche Sekretärin. Deshalb hält sie nichts davon, Tiere aus Ländern wie der Türkei oder Spanien nach Deutschland zu bringen. "Wohin sollen wir mit den vielen Tieren?", fragt sie. Der Kostenaufwand, ein Tier herzubringen, ist so groß, dass man vor Ort Hunderte Tiere ernähren und vor dem Verhungern bewahren könne.

(NGZ/ac)