Neuss: Von der Zufriedenheit im Hamsterrad

Neuss: Von der Zufriedenheit im Hamsterrad

Die Komödie "Glück im 21. Jahrhundert" feiert am Freitag Premiere im Theater am Schlachthof.

"Menschen kommen nach Deutschland, weil sie glauben, hier sei das Paradies. Und wir stellen das alles in Frage." So beschreibt der künstlerische Leiter Markus Andrae die zentrale Thematik der Gesellschaftssatire "Glück im 21. Jahrhundert" von Kai Hensel. Am Freitag kommt das Stück im Theater am Schlachthof (TaS) zum ersten Mal auf die Bühne und stellt das Glück der Neuzeit auf den Prüfstand.

"Es ist aber kein Stück über Flüchtlinge", sagt Andrae. Vielmehr gehe es um eine Familie, in der es verpönt ist, zufrieden zu sein. "Das Stück wirft die Frage auf, ob das Glück im Kapitalismus zu finden ist", sagt die Regisseurin Marika Rockstroh. Eigentlich warten dabei alle Figuren auf eine Katastrophe, die alles besser machen soll. Doch als sie schließlich passiert, ändert sich nicht wirklich viel.

Musik und Bühnenbild stellen das Hamsterrad dar, in dem sich die Familie in ihrem Streben nach immer größeren Zielen befindet. "Drehende Wände verdeutlichen zum Beispiel diesen Strudel", sagt Rockstroh. Es sei ein eher abstraktes Bühnenbild, was Orte und vor allem seelische Zustände widerspiegeln solle. "Es unterstreicht die Atmosphäre, in der sich die Familie befindet", sagt Rockstroh.

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Vater Johann, Mutter Anne und Tochter Jasmin verkörpern eine klassische bürgerliche Familie. "Und die Stadt Neuss ist mehr als andere Städte von der bürgerlichen Mitte geprägt", sagt Andrae. Die Zuschauer sollen angeregt werden, über den Tellerrand hinaus zu blicken. "Es gibt nicht nur das Lokale", sagt Andrae. Wobei das Lokale nicht negativ sei, man sich aber mal durchaus aus seiner "Wohlfühlzone" hinausbewegen könne.

Damit scheinen sie einen Nerv getroffen zu haben, sagt Pressesprecher Dennis Prang. Viele Tickets seien bereits reserviert. "Und das, obwohl wir in dem Stück keine Glücksempfehlung geben."

Info Blücherstraße 31, Freitag, 16. Februar, 20 Uhr (Premiere), Tickets 15,40 Euro unter www.tas-neuss.de, 18 Euro an der Abendkasse

(NGZ)
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