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Neuss: Von der Wirkung wundersamer Rituale

Neuss : Von der Wirkung wundersamer Rituale

Aberglaube und Geisterbeschwörung standen dieses Mal im Mittelpunkt der RLT-Reihe "Heiliger Bimbam".

Wenn der "Heilige Bimbam" zu Gast im Studio des RLT ist, so weiß man seit der ersten Veranstaltung der Reihe zum Thema Weltuntergang, dann wird es höchst interessant. Die Gäste von Sebastian Zarzutzki, Ensemblemitglied des RLT und Moderator des Abends, erwartete erneut allerbeste Samstagabendunterhaltung.

Das Konzept lässt sich schwer einsortieren in die klassischen Unterhaltungssparten. Es liegt irgendwo zwischen einem bunten Abend im Seniorenzentrum, einer unterhaltsamen Wissenschaftsshow, ein wenig Kabarett und einer gut gelaunten Talkrunde. Das Ganze wird abgerundet durch eigenwillige musikalische Beiträge und natürlich dem obligatorischen Bingo-Spiel. Beschäftigte man sich beim letzten Mal noch mit allerlei Weltuntergangsszenarien, so waren es diesmal übernatürliche Phänomene, Aberglaube und Geisterbeschwörung.

Passend dazu war die Bühnendekoration entsprechend der Thematik mit jedem denkbaren Klischee ausgestattet. So machten es sich Zarzutzki und seine beiden Gäste Linda Riebau und Gabriel Rodriguez, ebenfalls Ensemblemitglieder des RLT, im Schornsteinfeger-Outfit zwischen Plastikschädeln, Horrormasken und Kerzenleuchtern bequem und widmeten sich in lockerer Runde dem Umgang mit Glücksritualen, Horoskopen und Unheil verkündenden Omen. Auch diesmal unterbrach Zarzutzki die Diskussion immer wieder mit Präsentationen von Daten und Fakten, wobei das Publikum immer mit einbezogen wurde, indem es über den Wahrheitsgehalt bekannter Mythen abstimmen durfte. Was Zarzutzki auf seinem althergebrachten Overhead-Projektor wie ein Lehrer der alten Schule mit Zeigestock und ernster Mine zu präsentieren hatte, war nicht uninteressant: Die Übereinstimmung des Aufkommens von Störchen mit der in der jeweiligen Region bestehenden Geburtenrate – es gibt sie wirklich, wenn auch kein kausaler Zusammenhang nachzuweisen ist. Der Freitag als Unglückstag für Autofahrer: existiert nachweislich, allerdings sind dort nicht übernatürliche Kräfte die Ursache, sondern der freitags einsetzende Pendlerverkehr. Der Mond hat übrigens entgegen anderslautender Theorien kaum Einfluss auf unsere Lebensgewohnheiten. Lediglich das Körpergewicht reduziert sich, wenn er über uns am Himmel steht, um ganze 0,29 Gramm. Das jedenfalls hatte Zarzutzki an seiner Kreidetafel ausgerechnet. Thematisiert wurden auch bekannte Rituale wie das dreimalige über die Schulter spucken, auf Holz klopfen oder der vermeintlich Glück bringende Wunsch vom "Hals- und Beinbruch", der, so lernten die Zuschauer, auf einen alten jiddischen Spruch zurückgeht. "Hatslokhe u brokhe" heißt es da, was soviel bedeutet wie "Glück und Segen". Das Brechen irgendwelcher Gliedmaßen geht also lediglich aus der lautmalerischen Veralberung des Jiddischen hervor.

(NGZ)