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Neuss: Von der "Lindenstraße" zur RLT-Werkstatt

Neuss : Von der "Lindenstraße" zur RLT-Werkstatt

Die Chefin der Gewandmeisterei am RLT, Alide Büld, ist vor allem dafür zuständig, dass die Kostüme für die Bühne tauglich und handwerklich perfekt gearbeitet sind. Aber die Wahlkölnerin entwirft auch selbst.

Jeder Mensch hatte sie und kann sich meist auch noch gut erinnern: Traumberufe aus Kindheitstagen. So gibt es jene, die Rockstar oder Schauspieler, und andere, die lieber Arzt oder Astronaut sein wollen. Auch Alide Büld hatte solch einen Traumberuf. Mit elf Jahren nähte sie bereits ihre eigene Kleidung. Mit 15 Jahren sah sie im Fernsehen ein Gespräch mit einer Kostümbildnerin - und wollte eine solche werden. Mit 57 kann sie gar sagen, es in ihrem Traumberuf auch weit gebracht zu haben: Heute leitet sie die Gewandmeisterei des RLT. Dazwischen liegt jedoch ein langer Weg.

Gleich nach dem Schulabschluss begann die Abiturientin eine Schneiderlehre in einem Modeatelier. "Ich hatte immer das Ziel vor Augen, Kostümbildnerin zu werden. Daher wusste ich, dass es nach der praktischen Ausbildung noch weiter gehen muss", sagt die Wahlkölnerin. Und so startete sie 1978 nach einer aufwendigen und langen Aufnahmeprüfung an einer Kölner Fachhochschule mit dem Studiengang Kostümbild. "Mir hat während des Studiums wirklich alles Spaß gemacht. Wir waren damals sehr frei, was unsere Einteilung betraf und kannten kaum Stundenpläne", sagt Büld.

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Vergleicht die Kostümbildnerin ihre eigene Studienzeit mit den heutigen Bachelor- und Masterstudiengänge, dann fallen ihr große Unterschiede auf. Das macht sie nicht nur am Lernpensum der eigenen Tochter, die Kostüm- und Bühnenbild in Berlin studiert, fest, sondern auch an ihrer Dozententätigkeit in Stuttgart. "Durch straffe Stundenpläne wird den Studenten viel Freiraum genommen. Besonders in kreativen Bereichen braucht es Zeit und Platz, um sich frei zu entwickeln", sagt die Mutter zweier Töchter.

Nach den Lehrjahren, in denen sie sie zusätzlich eine Ausbildung zur Gewandmeisterin absolvierte, begann ihre Zeit bei der Städtischen Bühnen Köln. Als Kostümbildassistentin erlebte sie sehr arbeitsintensive, aber auch lehrreiche drei Jahre: Entwürfe realisieren, Stoffe auswählen und kalkulieren, Anprobetermine der Schauspieler koordinieren und begleiten.

"Es ist sehr wichtig und ganz normal, dass Absolventen zunächst eine Assistenz machen. Sonst fehlt ihnen die Erfahrung und vielleicht auch die Selbstsicherheit, zu den eigenen Entwürfen zu stehen", sagt Büld.

Station machte Alide Büld auch in Salzburg, als freie Kostümbildnerin während der Festspiele, und beim Fernsehen, wo sie auch heute noch saisonal tätig ist. Für die "Lindenstraße" in der ARD sucht sie während der Theater-Sommerpause rund 100 Kostüme pro Woche für die Schauspieler aus. "Beim Fernsehen muss ich den Job in Höchstgeschwindigkeit erledigen. Viele Szenen am Tag erfordern viele Outfits."

Letzten Endes wollte Büld, die sich selbst als großen Theaterfan bezeichnet, aber wieder zurück zur Bühne. Die Arbeit mit den Regisseuren und Schauspielern, der Entwicklungsprozess zum endgültigen Kostüm, Stoffauswahl und die Umsetzung - die Kostümbildnerin liebt die Vielschichtigkeit ihres Berufes. Belohnung ist es für sie dann, wenn das Premierenpublikum in Applaus ausbricht. Denn dieses Lob gilt auch ihr.

(NGZ)