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Neuss: Von der Kunst, ein Unternehmer zu sein

Neuss : Von der Kunst, ein Unternehmer zu sein

In sechs Jahren hat Frank Hermanns aus seinem Ingenieur-Büro "Art of Engineering" einen veritablen Maschinenbau-Betrieb gemacht.

Maschinen sind Kunst. In ihnen steckt Kreativität, Tüftelei, Feinstarbeit. "Es sieht plump aus. Ist es aber nicht", sagt Frank Hermanns (44). Er liebt Maschinen, und das findet nicht nur Ausdruck darin, dass er auf seinem linken Oberarm den Motor seiner Harley vom Tätowierer hat in die Haut gravieren lassen.

Hermanns geht zügig durch eine Werkshalle, in einer Ecke wird geschweißt, der Kran unterm Hallendach bringt einen Metallblock zur Bearbeitung in einer voll digitalisierten Fünf-Achs-Fräsmaschine. Es ist seine Werkshalle, die neue Heimat des Unternehmens Art of Engineering, dessen Chef und Gründer Hermanns ist. Die Büros sind noch nicht eingerichtet nach dem Umzug, die Produktion läuft aber schon wieder. Hermanns ist Ingenieur. Wenn ein Kunde für ein Problem eine Lösung sucht, dann entwickelt er die Maschine. Und baut sie auch noch gleich selbst.

So wie das Karlsruher Unternehmen, das dringend ein Prüfgerät brauchte, um damit riesige Kugelhähne für den Bau von Kernkraftwerken auf ihre Belastbarkeit zu testen. Einen solchen stattlichen Prüfstand gibt es nicht, also haben Hermanns und seine Mitarbeiter einen konstruiert und arbeiten derzeit jeden Moment an dem Großauftrag. Im Frühjahr wollen sie fertig sein. Hermanns steht vor dem lackierten, halbfertigen Metall-Bau und wirkt so, als könnte er das Material mit seinen Händen und seiner Kraft auch ohne Werkzeug in Form bringen. Maschinenbau aber ist kein Schwerbau, sondern bis aufs hundertstel Millimeter präzise Fertigung; Kunst, die zum Teil digital gesteuerte Maschinen übernehmen.

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2009 gründete Hermanns das Unternehmen. Nach vielen Jahren als Mechaniker im Neusser Thomy-Werk war er endlich soweit, er hatte neben der Arbeit Maschinenbau studiert, war abends und an Wochenenden in die Hochschule nach Köln gefahren, hatte im Urlaub für die Prüfungen gelernt. Die ersten Aufträge kamen schnell. Zunächst entwarf er nur Maschinen, die die Kunden dann woanders bauen ließen. Die Arbeit fand im Kopf und im Computer statt. "Aber es macht mir zu viel Spaß, selbst zu schrauben und zu tüfteln", sagt er. Und die Qualität der Ausführung war nicht immer so gut wie gewünscht.

Also fing Hermanns an, die dreidimensionalen Konstruktionen selbst in die Realität zu bringen. Er schuf nicht mehr nur, sondern baute auch wieder selbst. Und das mit Erfolg: Die Kleinaufträge wurden immer größer. Heute hat Hermanns zehn Angestellte, er hat sich gerade eine Fräsmaschine für 400 000 Euro in die Halle gestellt. Zerspanung, Konstruktion, Zeichnungsservice, Maschinenbau gehören zum Geschäftsmodell. Schrauben können viele, der internationale Wettbewerb ist hart. "Wir können nur überleben, weil wir auch das Know-how anbieten", sagt Hermanns.

Jetzt steht er vor wichtigen Entscheidungen. "Weil unsere Fertigung komplett individuell ist, sind wir total flexibel", sagt er. Darunter leidet aber die Effizienz, und damit die Marge. Wie wächst man weiter richtig? Wie sorgt man dafür, dass am Monatsende genug Geld für den Lohn auf dem Konto ist? Manchmal ist das nicht so leicht, auch wenn in der Halle ein hunderttausende Euro schwerer Großauftrag liegt. "Es gibt Phasen, in denen es an die Nerven geht", sagt Hermanns. "Aber ich bereue nichts." Maschinen sind sein Lebenswerk, er macht es wahr.

(NGZ)