Neuss: Von der Bühne in den Malsaal

Neuss: Von der Bühne in den Malsaal

Der 20-jährige Hasib Khalil wurde in Afghanistan geboren und macht eine Ausbildung zum Bühnenmaler im RLT. Ohne seine Arbeit und die seiner Kollegen hinter den Kulissen geht keine Inszenierung über die Bühne.

Hasib Khalil steht mit einem Pinsel in der Hand vor einer großen Holzwand. Sein weißes Hemd, die Hose und die robusten Schuhe sind mit Farbe vollgespritzt. Das Werk, an dem er gerade arbeitet, ist für das nächste Stück, das im RLT aufgeführt werden soll. Im Malsaal bereitet der Auszubildende mit seinen Kollegen die Bühnenbilder vor.

Khalil lebt seit Ende 2015 in Deutschland. Der 20-Jährige wurde in Afghanistan geboren und ging dort zur Schule. Vor drei Jahren wurde die Situation in seiner Heimatstadt Masar-e Scharif für seine Familie aber so bedrohlich, dass er das Land verlassen hat. So kam er nach Deutschland, begann ein neues Leben.

Nachdem er nach seiner Flucht Deutschkurse besucht und auch Privatunterricht genommen hatte, bewarb Khalil sich für ein Praktikum im Malsaal. Im Anschluss daran begann er im August 2017 auch seine Ausbildung dort. "Schauspielerei war schon immer meine Leidenschaft. In Afghanistan und später auch in Neuss habe ich Theater gespielt", sagt der 20-Jährige. Die Chance, als Schauspieler erfolgreich zu werden und Geld zu verdienen, das für den Unterhalt reicht, sei aber gering. Außerdem sei die Schauspielschule sehr teuer. Deshalb reizte es ihn, zumindest hinter den Kulissen tätig zu werden.

Denn um jedes Theaterstück herum gibt es viele Arbeiten, die dazu beitragen, dass es für die Zuschauer zu einem gelungenen Erlebnis wird. Nicht nur die Schauspieler erwecken ein Skript zum Leben, sondern auch das Bühnenbild, die Kostüme und vieles mehr spielen für die Inszenierung eine wesentliche Rolle -und das will vorbereitet werden. "Insgesamt arbeiten vier Bühnenmaler im Malsaal, dazu zwei Auszubildende", sagt die Ausbilderin und Malsaalleiterin Sarah Durry.

Sie unterstützt Khalil und ist stolz auf seinen bisherigen Werdegang. "Neben den Bühnenmalern gibt es aber auch noch Schreiner, Schlosser, Kostümbildner und viele weitere Mitwirkende, das wird oft unterschätzt", sagt sie. Bis zum fertigen Bühnenbild ist es ein langer Weg. Die Bühnenbildner entwerfen mit dem Regisseur zusammen ein Bühnenbild und fertigen ein Modell an, das mit allen Abteilungen besprochen wird. Erst dann bekommen die Bühnenmaler im Malsaal die Instruktion, das Bild anzufertigen. Schreiner und Schlosser bauen den Grundkorpus, auf dem später gemalt wird. Hasib Khalil und seine Kollegen brauchen für ein Bühnenbild rund vier bis sechs Wochen, bis es auf der Bühne zu sehen ist.

Dass er als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist, spiele bei der Arbeit überhaupt keine Rolle. "Ich verstehe mich mit allen gut, und wir haben immer viel Spaß bei der Arbeit", sagt der gebürtige Afghane. Trotzdem war das Ankommen in einem neuen Land auch für ihn nicht einfach. "Man musste viel lernen, vor allem die andere Kultur war für mich eine große Herausforderung", erinnert er sich. Im Malsaal fühlt er sich aber sichtlich wohl, und neue Herausforderungen geht er gerne an. "Genau wie bei der Schauspielerei kann ich als Künstler meine Gefühle ausdrücken. Deshalb mag ich den Beruf so sehr", sagt Khalil. Für die Zukunft erhofft er sich trotzdem eines: erfolgreich zu sein. Er möchte auf die große Bühne. Er hat diese Hoffnung und wer weiß - vielleicht sieht man ihn eines Tages auf der Bühne des Rheinischen Landestheaters.

(NGZ)