Neuss: Vom Wasserturm bis ins Bergische sehen

Neuss : Vom Wasserturm bis ins Bergische sehen

In der Serie "Neusser Kanten" von Neuss Marketing und NGZ geht es am Samstag nach Norf. Jakob Stechmann und Kurt Königshofen führen zu herrschaftlichen Anwesen und zeigen Spuren einstiger Selbstständigkeit auf.

Geschichtsbewusst und lebendig präsentiert sich der Stadtteil Norf, bis 1975 selbstständige Bürgermeisterei, am kommenden Samstag. In der Reihe "Neusser Kanten" führt Jakob Stechmann durch den historischen Ortskern.

Bei klarem Wetter reicht die Sicht von der Plattform bis ins Bergische Land: Der Wasserturm der Müggenburg, seit 2004 vom Heimatverein Norf aufwändig instand gesetzt, ist normalerweise nur zu besonderen Anlässen für die Öffentlichkeit geöffnet. Eine dieser seltenen Gelegenheiten bietet sich den Teilnehmern der "Neusser Kanten"-Tour am Samstag, 3. August.

Einer, der den Ausblick schon des öfteren genießen konnte, ist Jakob Stechmann, Norfer Urgestein und Ehrenmitglied des Heimatvereins. Er weiß zudem noch allerhand spannende historische Details zu erzählen: etwa über den Wasserturm, der 1906 fertiggestellt wurde und nur wenig später dank der zwischenzeitlich von Neuss aus verlegten Wasserleitung schon wieder überflüssig war. Oder über die Müggenburg sowie die benachbarte katholische Pfarrkirche, die ursprünglich die Kapelle der kleinen Wasserburg aus dem 18. Jahrhundert beziehungsweise des dortigen adeligen Damenstiftes war.

Turm und Seitenschiffe des Gotteshauses wurden erst später angebaut. "Die frühere Norfer Kirche stand auf dem alten Friedhof, wurde aber 1820 abgerissen", gibt Jakob Stechmann aus seinem umfangreichen Wissen zum Besten und kann auch gleich noch auf zwei regelrechte "Schätze" hinweisen, auf welche die Norfer stolz sind: ein rund 700 Jahre altes Weihrauchfass und eine Kirchenglocke aus dem Jahr 1532, die während des Zweiten Weltkrieges bereits beschlagnahmt worden war, aber dem Schicksal entging, eingeschmolzen zu werden.

Gut 500 Jahre hatte Norf — 1223 erstmals als "norpe" erwähnt — zum kurkölnischen Amt Hülchrath gehört, nach dem Wiener Kongress wurde es 1815 Verwaltungssitz einer Bürgermeisterei. Das Amt Norf, wie es seit 1927 hieß, wurde im Zuge der Kommunalen Neugliederung aufgelöst und von der Stadt Neuss eingemeindet. An die einstmalige Selbstständigkeit erinnert etwa die Gaststätte "Zur alten Ratsstube" und das ehemalige Rathaus, das heute als Polizeiwache genutzt wird.

Lange Zeit wurde Norf, dessen Name sich wohl vom nahen Bachlauf ableitet, durch große Hofanlagen dominiert: neben Müggenburg, Norfer Hof oder Sandhof vor allem das ehemalige Rittergut Vellbrüggen, dessen mehr als 850 Jahre alter imposanter Wohnturm das Hauptmotiv im Norfer Wappen ist. Heute präsentiert sich Norf als lebendiger Stadtteil mit guter Infrastruktur und regem Vereinsleben sowie hohem Freizeit- und Erholungswert.

Bis Ende Oktober laden Neuss Marketing und NGZ alle zwei Wochen zu Aktiv-Touren ein, um den Neussern ihre Stadt unter ungewohnten Blickwinkeln näher zu bringen. Zu Fuß oder per Rad erkunden die Teilnehmer einen bestimmten Stadtteil oder ein Viertel — teils mit ungewöhnlichem, immer spannendem Schwerpunkt und geführt von Kennern der jeweiligen "Neusser Kante". Dabei sind die Teilnehmer aufgerufen, sich ihre Heimatstadt aktiv mit der Fotokamera zu erschließen, denn ein Foto-Wettbewerb ist Teil der Reihe.

(NGZ)
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