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Neuss: Vom Hip-Hop zum Theater

Neuss : Vom Hip-Hop zum Theater

Der in Köln geborene Tim Hebborn ist Regieassistent am Rheinischen Landestheater in Neuss. Neben dem Theater lebt er für die Musik und ist fasziniert von der Welt der Bühne.

Stille. Ab und zu durchbricht ein Schrei die Ruhe. "Das ist ganz normal hier, die Proben laufen weiter", sagt Tim Hebborn und lacht. Der 26-Jährige ist Regieassistent am RLT. Gerade steht er in der Theaterküche, trinkt einen Kaffee und wartet darauf, dass auch seine Proben weiter gehen.

Nach Neuss kam Hebborn eher durch Zufall. Der gute Ruf des Theaters war es, der ihn bewogen hat, sich am RLT zu bewerben. Was er hier fand, war ein "sehr nettes Umfeld, in dem es Spaß macht zu arbeiten". Das Theater ist für ihn ein Ort, an dem er sich wohlfühlt und an dem er interessante Menschen trifft. Als Regieassistent gehört es zu seinen Aufgaben, sich um die Organisation und Koordination des Probenprozesses zu kümmern, aber auch seine Meinung und Ideen in die von ihm betreuten Stücke mit einzubringen.

2008 hat er sein Studium der Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaften an der Universität Siegen abgeschlossen. Dort ist er allerdings "eher hängengeblieben", wie er lachend zugibt, "um etwas Konkretes in der Hand zu haben". Denn seine Leidenschaft galt über all die Jahre neben der Bühne auch der Musik: Mit seiner Band "Tim plus" produziert er poppigen Hip-Hop und erhielt 2009 den Panikpreis der Udo-Lindenberg-Stiftung. "In der Musik kann ich ausdrücken, was mich persönlich bewegt", sagt Hebborn, dessen erstes Album wie eine Bahnfahrt angelegt ist.

Denn bei eben dieser fährt man, wie auch im Leben, immer von Station zu Station. Und hauptberuflich Musik machen? Das ist für ihn keine Option, da er Musik nicht für die Massen produzieren will, die sich einfach nur verkaufen lässt. Außerdem sei es immer gut, wenn man auch noch etwas außerhalb des Theaters habe. "Da sammelt man wichtige Erfahrungen, die man am Theater umsetzen kann. Jeder bringt sein eigenes Ding mit, und genau das macht das Theater so interessant", beschreibt er seinen Alltag.

Obwohl er und die Band bereits an einem zweiten Album arbeiten, sieht der heimatverbundene Kölner seine Zukunft beim Theater. Das verbindende Element zur Musik ist für ihn die Arbeitsweise: In beiden Fällen zusammen mit Menschen an einer Sache, die dann auf einer Bühne präsentiert wird.

Zunächst zieht es ihn erst einmal wieder an die Uni. Er ist für den Studiengang Schauspielregie an die Folkwang-Uni der Künste in Essen angenommen. "Verschiedene Städte sind wirklich interessant, da man dort auch immer neue Leute kennenlernt", sagt er. Obwohl er der heute nötigen Mobilität einiges abgewinnen kann – seine Freundin wohnt in Berlin – hat er "trotzdem auch das Bedürfnis, irgendwann mal anzukommen". Wenn dieser Ort sich in einigen Jahren als Köln herausstellt, hätte der leidenschaftlichen FC Köln-Fan nichts dagegen.

(NGZ)