Feuilleton: Vom Barock bis in die Moderne

Feuilleton : Vom Barock bis in die Moderne

Neuss Drei Bach-Sonaten, zwei Werke zeitgenössischer Komponisten und ein Chor, der gar nicht im Programm stand - soweit die Kurzzusammenfassung des Montagskonzerts der Kirchenmusikwoche. Nun die ausführlichere Version.

Neuss Drei Bach-Sonaten, zwei Werke zeitgenössischer Komponisten und ein Chor, der gar nicht im Programm stand - soweit die Kurzzusammenfassung des Montagskonzerts der Kirchenmusikwoche. Nun die ausführlichere Version.

Gestaltet wurde das Konzert in der gut besuchten Krypta des Quirinusmünsters von Studierenden der Flötenklassen Professor Michael Fausts, der an der Düsseldorfer Robert Schumann Hochschule unterrichtet. In erster Linie standen Sonaten von Johann Sebastian Bach auf dem Programm - wobei Musikwissenschaftler seit geraumer Zeit darüber streiten, ob diese Stücke für Soloinstrument und Begleitung tatsächlich dem Thomaskantor zugeordnet werden können.

Zumindest bei der von Claudia Tiller (Flöte) und Kazuko Takaishi (Cembalo) in der Mitte des Konzerts aufgeführten A-Dur-Sonate (BWV 1032) besteht Experten-Einigkeit: Die hat Vater Bach selbst geschrieben. Tiller und Takaishi überzeugten als eingespieltes Team, harmonierten sowohl in den schnellen Rahmensätzen als auch im versunkenen Gestus des Largo-Mittelsatzes gut miteinander.

Anders als bei der A-Dur-Sonate wird die Echtheit der zu Konzertbeginn von Liene Krole (Flöte) und Kazuko Takaishi (Cembalo) g-moll-Sonate stark angezweifelt. Wahrscheinlich wurde sie von Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel komponiert. Wie dem auch sei: Die beiden Interpretinnen erwiesen sich auch hier bestens vorbereitet, Kroles sichere Intonation konnte sich hören lassen, Takaishi stützte sie feinfühlig, wenn auch nicht makellos. In der wunderbaren Triosonate BWV 1039 vereinten Tiller, Krole und Takaishi ihr Spiel, webten die sich gegenseitig imitierenden Stimmen der Allegro-Sätze geschickt ineinander und gestalteten die langsamen Sätze innig und kontemplativ.

Zwischen all dem Bachschen Barock unternahmen die Studierenden außerdem zwei Ausflüge in die Moderne: Anna Veith widmete sich eindringlich der "Sequenza per flauto solo" Luciano Berios (dessen Œuvre unlängst bei der MusikTriennale in Köln im Mittelpunkt stand), Claudia Tiller, Liene Krole, Daniel Cueto und Maria Jarovaja musizierten - allerdings recht zerfasert - Manfred Trojahns "Epitaphe für vier Flöten" aus dem Jahr 1986.

Abrupte Brüche und Pausen bestimmen das Wesen Neuer Musik dieser Art ganz zentral. Fatal ist es da, wenn - wie bei dem Konzert geschehen - diese Pausen mit Klangfetzen von Chorproben im benachbarten Gegoriussaal gefüllt werden. Dass mangels Ruhe in der Krypta jegliche musikalische Spannung verpuffte: Kein Wunder.

Gerade in der Kirchenmusikwoche sind Chorproben sicher richtig und nötig. Fraglich ist nur, ob sie parallel und in unmittelbarer Nachbarschaft zu anderen Konzerten stattfinden müssen.

(NGZ)
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