Neuss: "Vollzeitvater" bloggt im Netz

Neuss : "Vollzeitvater" bloggt im Netz

Nicht viele Väter sind wie Guido Schüffelgen den ganzen Tag für ihre Kinder da. Dem 35-Jährigen macht das Erziehen so viel Spaß, dass er eine Ausbildung zum Tagesvater absolviert. Von seinen Erfahrungen berichtet er in einem Blog.

Guido Schüffelgen ist seit 14 Jahren mit seiner Frau Serena zusammen. Beide wussten: Wenn einmal Nachwuchs kommt, bleibt derjenige zu Hause, der das wenigste Geld verdient. "Damals haben wir beide nicht daran geglaubt, dass ich derjenige sein würde", erzählt Guido Schüffelgen. Doch als vor elf Monaten Sohn Piet auf die Welt kam, stand nach einem Blick auf den Gehaltszettel die Entscheidung fest: Guido Schüffelgen wurde "Vollzeitvater". So hat er auch sein Internettagebuch – einen so genannten Blog – genannt, in dem er seitdem von seinen Erfahrungen als Vater berichtet. Etwa wie es ist, allein als Mann in der Stillgruppe zu sitzen, aber auch über alltägliches wie Schlafmangel, Babynahrung oder Kinderärzte – Schüffelgen schreibt alles auf, was ihn als Vater bewegt.

Vor seiner Elternzeit arbeitete der 35-Jährige als Vertriebsleiter – doch weil die Firma zwischenzeitlich geschlossen wurde, hat der gelernte Großhandelskaufmann nun ein anderes Ziel: Er macht eine Ausbildung zum Tagesvater. Dieser ungewöhnliche Werdegang ist natürlich auch Thema in seinem Blog, vor allem weil Schüffelgen oft bemerkt, wie anders sein Zugang zu Erziehungsfragen ist. Zum Beispiel wenn es um das Thema Wickeln geht: Dass er das in einer Zeit von weniger als einer Minute schaffe, erzählte der angehende Tagesvater in seinem Tagespflege-Seminar. Dort wurde allerdings gerade eine Methode bevorzugt, nach der ein Wickelvorgang ganze 20 Minuten dauern soll. "Davon waren alle Frauen total begeistert", erzählt Schüffelgen, der seine Meinung zu diesem "Wickel-Quatsch" in seinem Blog aufgeschrieben hat. "Das Schreiben ist für mich ein Ausgleich", erzählt Schüffelgen. Fast jeden Tag verbringt er eine gewisse Zeit im Netz, schreibt in seinem Blog, macht Online-Rezensionen, interessiert sich für die Piratenpartei. Zwei Abende in der Woche sind für den Kurs reserviert, in dem er zum Tagesvater ausgebildet wird. Seine Pflegeerlaubnis steht kurz bevor, ab Mai will er die ersten Kinder bei sich zu Hause in Grimlinghausen betreuen.

Gewöhnt hat sich Schüffelgen daran, allein unter Frauen zu sein, ob in seinem Weiterbildungsseminar oder in der Krabbelgruppe. Dass ein Mann in der Rolle des Erziehers die Ausnahme ist, merkt er nicht nur im Alltag, sondern auch in seinen Büchern, die er für seine Ausbildung liest: "Immer ist dort nur davon die Rede, wie toll die Mutter alles kann", erzählt Schüffelgen. "Dabei brauchen Kinder doch auch männliche Vorbilder", sagt Schüffelgen, der mit seinem Angebot als Tagesvater eine echte Marktlücke abdeckt: "Männer gibt es in diesem Job kaum", sagt er. Und hat deswegen schon das nächste Ziel ausgemacht: eine Ausbildung zum Erzieher. Ob's klappt? "Das schreibe ich dann in meinem Blog", sagt er.

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE