Neuss: Visual Hacking - die unterschätzte Gefahr

Neuss : Visual Hacking - die unterschätzte Gefahr

Die Nachfrage nach Blickschutzfilter für Monitore und Bildschirme, sie verhindern das Ausspähen von Daten durch neugierige Blicke von der Seite, steigt. Ein Grund ist die am 25. Mai kommende EU-Datenschutz-Grundverordnung.

Neuss Bei einem 15.6-Zoll-Blickschutzfilter sind über 9000 Mikrolamellen vertikal angeordnet. Jede einzelne ist dünner als ein Menschenhaar. Blickschutzfilter können auf PC-Monitore und Bildschirme von Laptops aufgeklebt oder aufgesteckt werden und schützen vor neugierigen Blicken von der Seite. Ab einem Blickwinkel von 25 Grad dunkelt der Filter den Bildschirm ab, ab 30 Grad verhindert er die Sicht vollständig. "Dann schauen Neugierige von der Seite gegen die Lamellen und erkennen nichts mehr", erklärt Riccardo Farin.

Der Kundenberater des Multitechnologiekonzerns 3M in Neuss berichtet von einer gestiegenen Nachfrage nach den Filtern, die allerdings schon länger als zehn Jahre auf dem Markt erhältlich sind. "Ein Grund für die Nachfrage ist bestimmt auch die EU-Datenschutz-Grundverordnung, die am 25. Mai in Kraft tritt und die Unternehmen verstärkt in die Pflicht nimmt", sagt Farin.

Wenn seine Kunden auf Sicherheitsvorkehrungen für den Datenschutz angesprochen werden, dann denken sie zunächst an Firewalls oder Cloud-Security. Während sich die IT-Sicherheit in Unternehmen somit vor allem auf virtuelle Angriffe von außen konzentriert, wird die Gefahr des Visual Hackings - also des Ausspähens vertraulicher Daten auf Monitoren direkt im Firmengebäude oder auf Laptops bei Reisen - noch vielfach unterschätzt.

Dabei zeigt etwa die weltweite Studie "Global Visual Hacking Experiment" des Ponemon Instituts, wie groß die Risiken sind: In 91 Prozent der Versuche war visuelles Hacking erfolgreich. Dies wurde auch möglich, weil sich die Arbeitswelt im Wandel befindet. Waren bis vor einigen Jahren noch Einzelbüros üblich, entscheiden sich viele Unternehmen heute für offene Büroarchitekturen. Das macht es Datendieben leichter, vertrauliche Informationen optisch auszuspähen.

Noch leichter ist der Datenklau unterwegs. "Am Flughafen oder im Zug kann man ganz schnell ausgespäht werden. Wir merken deshalb die gestiegene Investitionsbereitschaft der Unternehmen", sagt Kundenberater Farin und ergänzt: "Außerdem geht aus Studien hervor, dass Mitarbeiter profitabler arbeiten, wenn sie sich unbeobachtet fühlen."

Der Marktpreis für einen Filter für einen 15.6-Zoll-Bildschirm beträgt rund 55 Euro. Die Filter gibt es in allen üblichen Größen und die Handhabung ist unkompliziert. Der hauchdünne Sichtschutz aus Kunststoff wird mit kleinen Klebelaschen auf dem Monitor oder Laptop befestigt. Zur Auswahl stehen bei 3M verschiedene Varianten, in der Ausführung Standard mit glänzender oder matter Oberfläche sowie die Ausführung Gold mit einer golden schimmernden und einer schwarzen Oberfläche. Die Blickschutzfilter für die Größe des Bildschirms selbst zurechtzuschneiden, davon rät Riccardo Farin ab, weil sich dann die Lamellen verschieben würden.

Einen Blick- und Kratzschutz gibt es übrigens nicht nur für Monitore und Laptops, sondern auch für alle gängigen Businesshandys. Eine spezielle Touchfolie kostet rund 25 Euro.

(gaa)
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