Neuss: Vierhundert Portionen Pommes, bitte!

Neuss: Vierhundert Portionen Pommes, bitte!

Der Mensaverein der Gesamtschule Nordstadt kümmert sich um das tägliche Mittagessen für Hunderte Schüler. Dabei wird Wert auf gesundes Essen gelegt - auch wenn es donnerstags immer eine beliebte Ausnahme gibt: Pommes.

Schon um halb eins stehen die ersten Schüler vor der großen Glastüre, zehn Minuten zu früh. In der Mensa der Gesamtschule Nordstadt blitzt der helle Boden, die Stühle stehen noch falsch herum auf den Tischen - doch der Geruch von Pommesgewürz liegt schon in der Luft. Zu spät kommen will hier donnerstags niemand. Denn Donnerstag ist Pommestag.

Seit 2011 hat die Gesamtschule einen Mensaverein, der sich um das Mittagessen der meisten Schüler kümmert. Von knapp 800 Kindern und Jugendlichen, die hier zur Schule gehen, haben 428 ein Essensabonnement. Statt regulär vier Euro pro Mittagessen zahlen sie damit nur 3,40 Euro.

Vom Buffet können die Schüler dann jeden Mittag das essen, was sie möchten. Nudeln mit Soße, Salate und Gemüse gibt es immer, hinzu kommt ein Tagesgericht. Und das ist heute: Pommes mit Cordon Bleu. Das Schnitzel ist wie so oft aus Pute, damit auch muslimische Schüler mitessen können.

Als sich die Türen um zwanzig vor eins öffnen, strömen die Kinder in den großen Essenssaal. Sie zeigen an der Kasse den Schülerausweis vor, ein Barcode verrät, ob sie ein Essensabo haben. Dann nehmen sie schnell ein Glas aus den roten Boxen, holen einen Teller und Besteck. Und schon knubbeln sie sich vor der Pommesausgabe. Kaum ein Teller, auf dem die gelben Stäbchen nicht zu finden sind. Küchenchef René Ingenbauhaus kennt den Trubel. Im Minutentakt schüttet er neue Pommes von großen Blechen in die Ausgabeboxen. "Normalerweise gehen zwischen 370 und 400 Essen über die Theke, am Pommestag rechnen wir mit 450", sagt er. Auch Lehrer, Sozialarbeiter und Mitarbeiter aus anderen Bereichen essen häufig in der Schulmensa.

Dass die Mensa so beliebt ist, daran hat wohl auch der Mensaverein seinen Anteil. Vorsitzende ist Sozialpädagogin Julia Linne von Berg. "Wir wollten, dass hier vor Ort frisch gekocht wird", sagt sie. Andernfalls hätte die Stadt wohl Essensportionen über einen Caterer bringen lassen. Festgelegt hat der Verein, dass es zum Mittagessen nur Wasser zu trinken gibt, das sich die Schülergruppen in Karaffen mit zum Tisch nehmen können. "Wir machen das aus gesundheitlichen Gründen, einige Schüler kommen morgens schon mit riesigen Limoflaschen in die Schule", sagt Julia Linne von Berg.

Der Verein regelt nicht nur die Essensabos und bezahlt den Pächter der Mensa, er gestaltet auch die Essensräume freundlich. Seit der Mensa-Umbau im Oktober abgeschlossen ist, sind die braunen Holzvertäfelungen verschwunden, der Boden ist hell, durch die Fenster fällt Licht. Bald sollen Kunstkurse noch die weißen Wände gestalten.

Eine halbe Stunde nachdem sich die Glastüren geöffnet haben, nimmt der Trubel wieder ab. Auf dem Boden liegen zerdrückte Pommes und hier und da ein Stückchen Gurke. Ein paar Schüler greifen zu Gummihandschuhen und Putzlappen, sammeln stehengebliebene Gläser ein und wischen die Tische ab. Reihum haben die Klassen Putzdienst. Ein Schüler nimmt den Besen und fängt an, die Pommesreste wegzufegen. Andere stellen die Stühle hoch. Wenn später noch der Putztrupp der Schule den Saal gewischt hat, ist alles bereit für das nächste Essen. Freitags ist Fischtag.

(mre)