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Neuss: Viele Bewerber, kaum Bauland

Neuss : Viele Bewerber, kaum Bauland

378 Bewerber – kein Angebot: Weil kaum Bauland ausgewiesen wurde, kann die Liegenschaftsverwaltung die Nachfrage nicht befriedigen. Eine Folge davon ist, dass der Stadt Einnahmen verloren gehen.

Die Nachfrage nach Baugrundstücken in Neuss ist groß wie nie, doch die Stadt kann sie nicht befriedigen. 378 Bewerber zählt Peter Hilger, technischer Leiter von Liegenschaften und Vermessung Neuss (LVN), auf seiner Warteliste. Dem stehe ein Angebot von höchstens zehn Parzellen gegenüber, sagt er, "alle mit einer Macke." Und die Situation wird sich nicht so schnell entschärfen. "Einige Bebauungsplanverfahren stehen kurz vor der Entscheidung – aber die kommt nicht. Daran kranken wir."

140 Hektar Bauland müssten bis 2025 entwickelt werden, ergab ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten schon vor Jahresfrist. 43 Hektar müssten neu ausgewiesen werden, der Rest ist im Prinzip da. Doch jetzt kommt das große Aber: 16,5 Hektar, meist Baulücken, sind in Privatbesitz. "Wir haben keinen Hebel, um die an den Markt zu bringen", sagt Betriebsleiter Peter Müller. 22 weitere Hektar sind im Flächennutzungsplan als Bauland-Reserve ausgewiesen, könnten einer Bebauung zu geführt werden. Könnten. 33 weitere Hektar sind Teil eines laufenden Bebauungsplanverfahrens. Das klingt viel, doch Müller bremst: Am schnellsten könnte das Verfahren für das Neubaugebiet am Holzheimer Blausteinsweg abgeschlossen werden – allerdings frühestens zum Jahresende. Baubeginn dort? "Ende 2012 – wenn alles glatt geht."

Bis dahin bleibt die Situation am Markt angespannt. Das bestätigt ein Blick auf Immobilienplattformen im Internet, wird aber auch von dem Makler Alexander Busch als Sprecher der Neusser Immobilien-Börse bestätigt: "Freie Baugrundstücke gibt es kaum." Diese Verknappung wirkt sich auf den Preis aus. Gradmesser: Der Grundstücksmarktbericht, der die Verkaufsfälle des vergangenen Jahres analysiert. Er wird im Liegenschaftsausschuss in nächster Sitzung vorgestellt, doch was drin steht, weiß Müller schon jetzt: "Die Preise ziehen ordentlich an."

Die Stagnation schlägt sich auch in der gerade erarbeiteten Jahresbilanz von LVN vor. Eine halbe Million Euro hatte der Eigenbetrieb veranschlagt, um Grundstücke marktfähig zu machen, keine 300 000 Euro musste er ausgeben. Von drei Millionen Euro, die für den Grunderwerb veranschlagt sind, blieben 2,3 Millionen im Portemonnaie. Und auch wenn 2010 noch ein relativ gutes Verkaufsjahr war, blieb der Erlös aus Grundstücksverkäufen 735 000 Euro unter dem Plan.

Die Ausweisung von Bauland ist kein Selbstzweck sondern Voraussetzung, um auf Sicht die Bevölkerungszahl stabil und damit die geschaffene Infrastruktur bezahlbar zu halten. So trifft es die Stadt doppelt, dass sie im Immobiliengeschäft, das wieder deutlich belebt hat, nichts anzubieten hat. "Die Nachfrage ist jetzt da", sagt Hilger. "In fünf Jahren ist der Zug abgefahren. Dann haben die meisten Bewerber woanders was gefunden."

(NGZ)