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Neuss: VHS-Chefin will Kurse auch am Wochenende

Neuss : VHS-Chefin will Kurse auch am Wochenende

Marie Batzel, die neue Leiterin der Weiterbildungseinrichtung, sieht die VHS auch als Akteur in der Stadtgesellschaft.

Volkshochschule: Ein Begriff, aber drei Wörter. Jedes davon kann man besonders betonen, doch beim Wort Schule würde Marie Batzel die Stimme nicht erheben, um einen Akzent zu setzen. "Das klingt zu sehr nach verschult und Verwaltung", sagt die 37-Jährige. Dann doch eher "Volks" oder "Hoch" unterstreichen. Denn Volks stehe für den Anspruch der VHS, Bildungsmöglichkeiten für breite Bevölkerungsschichten anzubieten, und "hoch" für die - angestrebte oder schon erreichte - Qualität. An der wird sie sich künftig messen lassen müssen. Denn als neue VHS-Leiterin steht Batzel für das große Ganze und verantwortet unter dem Strich ein Programm, das sie mit sieben weiteren Fachbereichsleitern entwickeln muss und das von 350 Dozenten vermittelt wird.

Mitte Januar trat Marie Batzel im größten Weiterbildungsinstitut der Stadt ihren Dienst an. Mehr als 60 Kandidaten hatten sich um die Nachfolge von Gerd Heide und diesen Posten beworben, erinnert Schuldezernentin Christiane Zangs, zehn schafften es in Runde zwei, doch nur eine Kandidatin wurde dem Rat Ende September mit einer einstimmigen Empfehlung der Auswahlkommission zur Ernennung vorgeschlagen. So viel Rückenwind zum Start sei wunderbar, sagt Batzel.

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Sie ist nicht neu in dem Geschäft. Von 2011 bis 2016 verantwortete sie bei der VHS Mönchengladbach die Angebote im Segment Kultur, danach war sie als VHS-Leiterin in Meerbusch und bis zu ihrem Wechsel auch für die Sprachangebote zuständig. In Neuss wird sie nun das Ressort "Politik, Gesellschaft, Recht, Umwelt und Verbraucher" verantworten. Dazu will sie den "Horizont weit halten, um Strömungen zu erkennen", sagt sie. Ihr Ziel: "Es muss attraktiv bleiben, sich in diesem einmaligen Haus zu treffen."

Ein Augenmerk will die neue VHS-Leiterin darauf legen, für einen, so wörtlich, "flexibleren Zugang zu den Bildungsinhalten" zu sorgen. Das Wochenende wird als Lernzeit neue Bedeutung bekommen, die digitale Wissensvermittlung wichtiger werden. Aber man müsse auch den Rahmen dafür schaffen, dass ein flexiblerer Einstieg in das Semester möglich werde, sagt Batzel.

Dass die Digitalisierung immer mehr Lebensbereiche erfasst und verändert, wird auch die VHS und ihre Bildungsarbeit verändern. "Das ist ein großes Thema im Beruf und im Alltag von uns allen", sagt sie und weiß, dass auch die Unternehmen mit ihren Weiterbildungswünschen zunehmend auf diese Karte setzen. Doch diese Entwicklung hat auch eine Kehrseite, die Batzel mit "digitaler Schere" beschreibt: "Je mehr junge Menschen aus der Generation der ,digital Natives' in Verantwortung kommen, um so größer wird die Gruppe derer, die nicht verstehen, dass andere da sind, die eben nicht wissen, was etwa eine App ist", sagt sie. Aufgabe ihres Hauses müsse daher sein, durch passgenaue Angebote an diese Gruppe "diese Schere zusammenzuhalten".

Die VHS ist aber nicht alleine. Sie wirkt vielmehr im Verbund mit anderen Trägern in der Erwachsenen- und Familienbildung, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Und nicht zuletzt ist die VHS in Neuss auch ein Akteur in der Stadtgesellschaft, sagt Batzel. Und das findet sie spannend.

(-nau)