Neuss: Vertrauensmann für Männer

Neuss : Vertrauensmann für Männer

Nicht immer muss es bei Männern, wenn sie unter sich sind, nur um Fußball gehen: Der "Männertreff" im Familienforum bietet die Chance, auch mal Gefühle zuzulassen. Heute ist das nächste Treffen dieses offenen Kreises.

Sich treffen, austauschen, über Gefühle sprechen: Für Frauen ist das ganz selbstverständlich. "Männer müssen sich darauf erst einlassen", sagt Hubert Schuh, der dieses Wagnis vor gut drei Jahren einging, als ein Neusser Psychologe die erste "Männergruppe" im Familienforum gründete. Mittlerweile leitet der 63-Jährige selbst den monatlichen Männertreff im Willi-Graf-Haus, heute Abend kommt die Runde wieder zusammen.

Mit dem Treffen will Schuh einen Gegenentwurf bieten zu klischeehaften Männerrunden, bei denen sich "Mann" in der Kneipe an der Ecke trifft, um dort ein Bierchen zu zischen und über Fußball zu sprechen. Auf eine gesellige Atmosphäre legt zwar auch Herbert Schuh wert, "aber wir treffen uns an einem neutralen Ort", erläutert er das Konzept, bei dem es darum geht, Männern die Möglichkeit zu geben, sich zu trauen, über den so genannten Smalltalk hinauszukommen. Hubert Schuh gibt dafür den Rahmen vor, zu dem auch ein Kodex gehört, an den sich jeder Teilnehmer hält. "Was gesprochen wird, bleibt unter uns", erzählt Schuh. So schaffen es die Männer, vertrauensvoll miteinander umzugehen.

Am Beginn jedes Treffens steht das so genannte Blitzlicht: Jeder Mann kommt dran, berichtet, wie es ihm geht, was ihn bewegt, was er fühlt. "Ich will die Männer zum Sprechen bringen", sagt Hubert Schuh, der sich dafür auch Gesprächsthemen überlegt, etwa Gedanken über das Älterwerden oder Überlegungen, welche Ziele in Zukunft noch erreicht werden sollen und welche Wünsche noch offen sind. "Wir wollen uns gegenseitig motivieren, uns stärken", sagt Hubert Schuh, der sich seit Beginn seiner Altersteilzeit für den Erhalt des offenen Gesprächskreises einsetzt. "Wir brauchen unbedingt Nachwuchs", sagt Schuh über die Gruppe, deren Teilnehmer zwischen 50 und 70 Jahren alt sind. Er selbst hat sich seit seinem Abschied aus dem Arbeitsleben bei verschiedenen Gruppen und Kursen engagiert, etwa beim Netzwerk "55 Plus".

Sich einzubringen, dabei zu sein, teilzunehmen – das ist dem 63-Jährigen, der gelernter Bankkaufmann ist und lange bei der Sparkasse arbeitete, wichtig. Und das vermittelt er auch beim Männertreff, wo es ihm darum geht, dass die Männer "bei sich" bleiben, so formuliert er es. "Wir wollen uns selbst in den Blick nehmen", erläutert Schuh, der bei den Treffen stets darauf achtet, dass die Gespräche nicht ins Belanglose abdriften. "Es ist leicht, über andere zu schimpfen", meint Schuh. Ungleich schwerer sei es, bei sich selbst anzufangen. "Dabei hilft der Männertreff", sagt Schuh.

Und er hilft den Teilnehmern dabei, in einem geschützten Raum, aus dem nichts nach außen dringt, das rauszulassen, was in der Kneipe nur dann klappt, wenn beim Fußball ein Tor fällt: echte Gefühle.

(NGZ/ac)
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