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Neuss: Verletzte Nonnen ohne Groll

Neuss : Verletzte Nonnen ohne Groll

Die Ordensschwestern Beatrice und Yolande, die 2011 von Rebellen in Burundi niedergeschossen wurden, erholen sich im Kloster Immaculata. Beide müssen weiter behandelt werden, bevor sie nach Hause können.

Der schrecklichste Tag im Leben der Ordensschwestern Beatrice und Yolande aus Gihanga im ostafrikanischen Burundi ist nun ein Jahr her. Der Tag, an dem sie dachten, sie würden sterben. "Die Alpträume haben endlich nachgelassen", berichtet Beatrice nun im Kloster der Augustinerinnen in Neuss, wo sie sich immer noch von jenem Tag erholen muss.

Heute geht es den Schwestern Beatrice und Yolanda, die Neusser Malteser vor einem Jahr am Flughafen Düsseldorf abholen mussten, besser. Foto: woi, Archiv: Staniek

Rückblick: Vor einem Jahr wurden die Ordensschwestern von Rebellen in Burundi überfallen und lebensgefährlich verletzt. So schwer, dass selbst die Angreifer die beiden Nonnen schon für tot erklärt hatten. Schwester Yolande hatte ihre rechte Gesichtshälfte durch einen Gewehrschuss verloren, auch Beatrice hatte eine Gewehrkugel ins Gesicht bekommen, zudem eine weitere in den Bauch, und ihr rechter Unterschenkel war fast abgeschossen. Zehn Tage nach dem Überfall, konnten sie dank zahlreicher Spenden nach Deutschland ausgeflogen werden.

Mit viel Überlebenswillen und Gottvertrauen haben sie sich durchgekämpft und sitzen nun im Innenhof des Klosters Immaculata an der Augustinusstraße. Hier plätschert leise der Springbrunnen und die Sonne scheint. Es ist sehr friedlich und ruhig. Dennoch ist Schwester Beatrice angespannt. Sie denkt an den Überfall zurück, der sie beinahe das Leben gekostet hat. Drei Notoperationen in Burundi und 15 Folge-Operationen in der Uniklinik Düsseldorf hat sie hinter sich. Das verletze Bein ist heute sechs Zentimeter kürzer und sie trägt einen orthopädischen Schuh mit Schiene. "Ich bin froh, dass ich mein Bein überhaupt noch habe", sagt die 45-Jährige. Vom Rollstuhl, über Krücken und einen Stock, kann sie mittlerweile wieder ohne Hilfsmittel laufen.

Schwester Yolande (38) knetet ihr Taschentuch, wenn sie an die Ereignisse von 2011 denkt. Das Sprechen musste sie erst wieder lernen, nachdem der Kiefer rekonstruiert worden war. Ihr rechtes Auge konnte nicht mehr gerettet werden. Schwere Handverletzungen kamen hinzu. "In Burundi hatte keiner mehr daran geglaubt, dass sie es schaffen würde", erklärt Schwester Crescentia für Yolande. Sie übersetzt auch schon mal für die beiden Nonnen aus dem Französischen, denn sie lernen noch Deutsch.

In psychotherapeutischer Behandlung waren sie nur kurz; das viele Sprechen miteinander und den anderen Schwestern hat ihnen bei der Aufarbeitung der Erlebnisse sehr geholfen. Ihr größter Wunsch ist es, wieder nach Hause zu fahren, aber die Behandlungen sind immer noch nicht abgeschlossen. Schmerzmittel müssen sie jeden Tag nehmen und weitere Operationen stehen noch an. Für Schwester Yolande wird derzeit eine Augenprothese angefertigt. "Wir sind glücklich hier und bedanken uns aufrichtig bei allen, die uns unterstützt haben und dies immer noch tun", sagt Beatrice. Was unglaublich scheint: Für ihre Angreifer empfinden sie keinen Hass oder Rachegefühle. "Das einzige, was wir uns wünschen ist Veränderung in unserem Land, damit niemandem sonst so etwas wie uns widerfahren muss", sagen beide und schauen zuversichtlich in die Zukunft.

(NGZ/ac)