Verkehrswende in Neuss: Schneller ÖPNV und neue Brückenbauwerke über Rhein und Erftkanal

Neuss und Düsseldorf arbeiten an Verkehrswende : Neuer Brückenschlag zur Nachbarstadt

Neuss und Düsseldorf arbeiten an einer Verkehrswende. Gemeinsam wollen sie den ÖPNV attraktiver machen, gemeinsam planen sie aber auch den Bau neuer Brücken. Neuss nutzt das, um ein altes Vorhaben neu zu beleben.

Sieben Rheinbrücken verbinden derzeit die Städte Neuss und Düsseldorf, zwei sollen noch hinzukommen. In den Spitzengesprächen, die Bürgermeister Reiner Breuer dazu mit seinem Düsseldorfer Amtskollegen führt, wirbt er aber auch um Unterstützung für ein altes Neusser Projekt: den Bau einer Eisenbahnbrücke, die in Höhe der Firma Zietzschmann vom Hafen über den Erftkanal führen soll. Ihr Bau wäre auch städtebaulich ein Durchbruch. Lange galt das Projekt als mausetot, jetzt ist es wieder da – als interkommunales Vorhaben.

Neue Brücken sind ein Wechsel auf die Zukunft, in der Gegenwart helfen sie nicht dabei, den stockenden Verkehr wieder in Gang zu bringen. Breuer und sein Amtskollege Thomas Geisel arbeiten deshalb auch daran, den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) attraktiver zu machen. Mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) wollen beide Städte darüber verhandeln, kündigte Breuer jüngst im Rat an, die Tarifstruktur zu verändern. Düsseldorf, so das Ziel, soll von Neuss aus mit einem Kurzstreckenticket erreichbar sein. Aktuell werden sechs Euro verlangt – einfache Fahrt.

In Sachen Schnellbuslinie, die ab Januar beide Städte besser miteinander verbinden wird, bekommt der Landesbetrieb Straßen NRW demnächst Post von beiden Bürgermeistern. Ihr Anliegen: Der Schnellbus soll seinen Namen auch verdienen – und nicht auf der Fleher Brücke im Stau stecken bleiben. Ihre Forderung: Die äußeren Fahrbahnen, derzeit aus statischen Gründen gesperrt, sollen schon in der Sanierungsphase des Bauwerks für Busse freigegeben werden. „Die Brücke bricht darunter bestimmt nicht zusammen“, sagt Breuer

Eine direkte und schnelle Verbindung für den ÖPNV — diese Vorstellung steht auch hinter dem beabsichtigten Bau einer Rheinbrücke in Höhe der Düsseldorfer Messe, über die die U-Bahn-Linie 81 geführt werden soll. „Ein sehr großes Projekt“, sagt Breuer. Verabredet sei dazu, dass erst auf Düsseldorfer Gebiet die Messe erschlossen wird, bevor die Linie über die Brücke in die Region ausgedehnt wird. Das Planfeststellungsverfahren für das Projekt startet im Juni, 2030 könnte mit einer Inbetriebnahme gerechnet werden.

Der jüngste Anstoß für einen Brückenneubau kam von der IHK Düsseldorf. Sie wünscht sich eine Straßenbrücke, die parallel zur Neusser Eisenbahnbrücke gebaut wird und die beiden Hälften des Neuss-Düsseldorfer Hafens verbindet. Er habe Zweifel, so Breuer, ob der Verkehr zwischen den Häfen das Hauptproblem ist, hat aber gern einer Prüfung zugestimmt. Denn ihn beschäftigt noch ein anderer Gedanke: Bekommt diese Brücke auch eine breite Fahrradspur, könnte der Radschnellweg über sie geführt werden. Das Problem der derzeit favorisierten Trasse über die Frings-Brücke hätte sich erledigt, da der Willy-Brandt-Ring weder mit einer Brücke noch mit einem Tunnel überwunden werden müsste.

Größten Charme hat aus Breuers Sicht Brücke Nummer drei – über  die Zufahrt zum Neusser Hafen. Sie sollte ursprünglich im Zusammenhang mit einem Sperrwerk gebaut werden, das den Hafen hochwassersicher gemacht hätte – und starb, als dieses Projekt nicht genehmigungsfähig war. Doch sinnvoll ist die Brücke nach wie vor. Sie würde im Radweg auf der linken Rheinseite eine Lücke schließen helfen  und böte die Chance, dem Hafen einen zweiten Gleiszugang zum Streckennetz der Bahn zu verschaffen. Das Notgleis, das alle Pläne für den Wendersplatz erschwert, wäre dann unnötig.

Mehr von RP ONLINE