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Neuss: Verfassungsschützer spricht über Salafismus

Neuss : Verfassungsschützer spricht über Salafismus

Das Treffen von Salafisten in Weckhoven ist weiter Thema bei den Menschen im Stadtteil – das zeigte die Resonanz auf die Infoveranstaltung, zu der die Stadtteilkonferenz eingeladen hatte.

Das Treffen von Salafisten in Weckhoven ist weiter Thema bei den Menschen im Stadtteil — das zeigte die Resonanz auf die Infoveranstaltung, zu der die Stadtteilkonferenz eingeladen hatte.

Islamwissenschaftler Korkut Bugday, Referent im Landesamt für Verfassungsschutz, erklärte in der Mensa der Gesamtschule, was es mit dem Salafismus auf sich hat. Salafismus ist seiner Konzeption nach eine religiös-fundamentalistische Strömung des Islams. Die grundlegenden Quellen des Islams — der Koran und die Überlieferungen des Propheten Muhammad — sind seine Grundfesten. Salafisten lehnen Anpassungen der Islamauslegung an veränderte gesellschaftliche und politische Gegebenheiten als "unislamische Neuerungen" ab. Sie führten zwangsläufig zum "Unglauben".

Die Szene in Deutschland "Der heutige Salafismus greift die Krise und die Bedürfnisse insbesondere junger Menschen in Deutschland auf", sagt Bugday. In Deutschland gebe es rund 3800 aktive Salafisten, 500 in NRW. Dabei handele es sich meist um lose Netzwerke.

Ideologie Die Ideologie des Salafismus hat laut Bugday verschiedene Facetten. Die beiden Hauptströmungen sind zum einen die politischen und die da'wa-orientierten Salafisten. "Sie lehnen Gewalt ab, verhalten sich integrativ und bilden Netzwerkstrukturen." In der Minderheit ist die zweite Hauptströmung, die jihadistischen Salafisten. Sie befürworten Gewalt, organisieren sich teils in terroristischen Netzwerken. "Beide Strömungen verfolgen das Ziel, einen islamischen Staat zu errichten und gegen den nicht-islamistischen Staat zu kämpfen", erklärt Bugday. Und beide seien Beobachtungsobjekte der Verfassungsschutzbehörden.

Richtlinien Die Richtlinien des Salafismus besagen für das Individuum, sich von der unislamischen Welt abzuschotten. Salafismus als Richtlinie für die Gesellschaft besagt, dass der Islam als von Gott offenbartes Ordnungssystem im Gegensatz zur Demokratie als von Menschen geschaffene Ordnung steht.

Methoden und Propaganda Salafisten wählen öffentliche, aber auch halböffentliche oder geschlossene Veranstaltungsformen wie Chatrooms. Insbesondere in sozialen Netzwerken verbreiten sie ihre Propaganda.

Lösung Den Salafismus wird laut Bugday weder die Polizei noch der Verfassungsschutz in den Griff bekommen können. Die politische Gesellschaft müsse der Ideologie vielmehr etwas entgegensetzen. Jugendliche, so Bugdav, bräuchten Raum, in dem sie Anerkennung und Akzeptanz erfahren.

(NGZ)