Neuss: Vereine fürchten Schlüsselgewalt

Neuss : Vereine fürchten Schlüsselgewalt

Ab 1. Juli sollen die Vereine auf den Bezirkssportanlagen ab nachmittags die Regie übernehmen und damit auch die Pflichten. Sie fürchten die Kosten und wehren sich, weil sie kein Personal haben.

Willi Mohren ist stinksauer: "Einen solchen Vertrag werden wir nicht unterschreiben." Seit 40 Jahren ist der Reuschenberger im Vorstand des 750 Mitglieder starken Turn -und Sportvereins aktiv. Jetzt denkt er sogar über einen Rückzug nach. Der Grund: Die Vereine, die auf den 16 Bezirkssportanlagen in der Stadt Heimrecht genießen, sollen ab 1. Juli die Schlüsselgewalt übernehmen – mit allen Pflichten, die dazu gehören. "Das ist mit ehrenamtlichen Helfern nicht machbar", sagt Mohren. Der TuS müsste, hat der Geschäftsführer ausgerechnet, zwei Kräfte einstellen. Kosten: 12 000 Euro im Jahr. Und die Beiträge um vier Euro im Monat erhöhen.

Der TuS Reuschenberg steht mit seiner Kritik nicht alleine. Die DJK Gnadental hat ebenfalls angekündigt, einen solchen Vertrag mit der Stadt nicht zu unterschreiben, der SV Uedesheim teilt ebenfalls die Kritik. Heute kommen die Spitzen von sechs Vereinen zusammen, um das weitere Vorgehen zu beraten. Acht Seiten umfasst der Vertrag, "sieben dreiviertel beschreiben die Leistungen und Pflichten, die die Vereine erfüllen müssen", sagt Mohren. Die reichen vom Schnee- und Räumdienst im Winter über die Bewässerung der Plätze im Sommer bis hin zur Bedienung der Heizung. Auch die Wartung der Sportgeräte gehört dazu. Grundlage für das Vorgehen der Verwaltung sind zum einen der Sparkurs, an dem sich auch die Vereine beteiligen sollen; zum anderen eine EU-Richtlinie, wonach die Platzwarte nur noch 48 Arbeitsstunden und keine Überstunden leisten dürfen.

Das bedeutet, nach 16 Uhr bis in den späten Abend hinein organisieren die Vereine den Betrieb auf den Bezirkssportanlagen. Die Stadt spart so jährlich mehr als 200 000 Euro ein. Den betroffenen Platzwarten, für die zurzeit offenbar neue Verträge erarbeitet werden, drohen deutliche Gehaltseinbußen. Ralf Deutzmann vom städtischen Sportamt hält die neue Regelungen für die Vereine "für leistbar. Es gibt viele Kommunen, in denen die Schlüsselgewalt problemlos funktioniert".

Die Reuschenberger haben sich an den Landessportbund mit der Bitte um Unterstützung gewandt. Denn mit der Vertretung der Vereine vor Ort, dem Stadtsportverband (SSV), sind sie nicht zufrieden: "Wir fühlen uns nicht gut vertreten", sagt Klaus Haas, Vorsitzender des SV Uedesheim. "Vom SSV erwartet ich bei diesem Thema eine qualifizierte Beratung." Ernst Rohr, Vize der DJK Gnadental, bezeichnet das Verhalten des SSV als "respektlos" den Vereinen gegenüber. "Das ist nicht tragbar." SSV-Vorsitzender Wilhelm Fuchs sagt: "Ich verstehe die Aufregung nicht. Mit der Schlüsselgewalt ist das Thema Nutzungsgebühren vom Tisch. Was wollen die Vereine lieber? Die neue Regelung bedeutet auch viel Flexibilität für die Vereine." Bei den Platzwarten spricht sich Fuchs für eine "sozialverträgliche Lösung" aus.

(NGZ)
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