Neuss: Vereine für Integration geehrt

Neuss : Vereine für Integration geehrt

Die Konzepte sind unterschiedlich, das Ziel ist identisch: Mit der TG Neuss und dem TSV Norf haben jetzt zwei Sportvereine in der Stadt die Anerkennung als Stützpunktverein "Integration durch Sport" erhalten.

29 Mädchen aus 15 Nationen: Die Tanzgarde des TSV Norf ist ein Beispiel dafür, wie der Sport Menschen unterschiedlichster Nationen zusammenführen kann. Sie ist damit das bunteste Aushängeschild dieses Vereins, der sich in vielerlei Hinsicht um die Integration ausländischer Mitbürger bemüht und dafür jetzt die Anerkennung als Stützpunktverein "Integration durch Sport" erhalten hat. Genau wie die TG Neuss, der größte Breitensportverein der Stadt.

Sportangebote der Vereine füllen sich nicht wie von selbst auch mit zugewanderten Neussern. "Ausländische Mitbürger tun sich schwer, einem Verein beizutreten", weiß Hermann-Josef Baaken, Vorsitzender des TSV Norf. Vor allem sei es wichtig, dass der richtige Ton getroffen wird. "Wir haben vor vier Jahren einen Kurs gestartet, bei dem die Migrantinnen zunächst unter sich bleiben wollten", nennt Klaus Ehren ein Beispiel, der Geschäftsführer der Turngemeinde. "Dann aber haben sie gemerkt, wie schön es in gemischten Gruppen ist." Zum letzten Trainigsabend dieser Aerobic-Gruppe kamen am Dienstag 190 Frauen — gut zwei Drittel mit einem Geburtsort außerhalb Deutschlands im Pass.

Dass Integrationsarbeit bei der TG ein wichtiges Thema ist, ließ schon der Titel der 51. Sportschau im vergangenen November erkennen: "Sport verein(t)". Gut ein Drittel der Mitglieder hat eine Zuwanderungsgeschichte, erklärt Ehren. So wie Figen Gürkaynak. Die 47-Jährige fand vor sieben Jahren zur TG, leitet seit zwei Jahren die Zumba-Gruppe. "Die Vielfalt im Verein ist faszinierend und inspirierend", sagt sie. Gerade Zumba sei ein Sport, der musikalische Einflüsse vieler Nationen vereint. Und Ehren fügt hinzu: "All das erweitert auch das sportliche Spektrum der TG."

Dass das Thema Integration nicht auf die Turnhalle beschränkt bleiben kann, hat der TSV verstanden und sucht die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Einrichtungen in Norf und Derikum. Dazu wurde in Ergänzung der Stadtteilkonferenz ein "Runder Tisch" installiert. "Wir pflegen einfach Gemeinschaft über Grenzen. Punkt", stellt Baaken klar.

Neuland hat der TSV beschritten, als er zum Beispiel aktiv Eltern ausländischer Kinder aus der Fußballabteilung in ehrenamtliche Betreuerfunktionen einbinden konnte. Neu ist auch das rollende Vereinsbüro "Fit3-Mobil", mit dem der TSV in der Gemeinde unterwegs ist und über spielerische Angebote gerade auch ausländische Mitbürger zu sportlicher Betätigung anregen will. Das ein klein wenig Geld dafür da ist, ist nicht der unangenehmste Nebeneffekt der Anerkennung als Stützpunktverein Integration.

(NGZ/rl)
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