VdK Neuss-Süd besteht seit 70 Jahren

Ortsgruppe : VdK Neuss-Süd vermisst barrierefreie Arztpraxen in Neuss

Seit sieben Jahrzehnten ehrenamtlich im Einsatz — der Verband der Kriegsgeschädigten (VdK) Ortsgruppe Neuss-Süd. Das wurde jetzt mit einem großen Fest gefeiert.

Als 1948, kurz nach dem Krieg, eine etwa 40-köpfige Gruppe Kriegsüberlebender an der Dreikönigenkirche die VdK-Ortsgruppe Neuss-Süd ins Leben rief, kümmerte sich der bundesweit tätigte Sozialverband hauptsächlich um Kriegsgeschädigte, Witwen und Waisen. Aus der Gründerzeit stammt auch der ursprüngliche Name VdK – Verband der Kriegsgeschädigten. Heute versteht er sich als moderner Sozialverband, der sich auf Bundes- und Landesebene um die Politik und lokal direkt um seine Mitglieder kümmert. „Wir helfen beispielsweise Menschen mit Behinderungen oder alleinstehenden ältere Mitgliedern und vertreten ihre Interessen in Sachen Rente, Pflege und soziale Sicherung“, sagt Heinz-Peter Vobis, Vorstandsvorsitzender der Ortsgruppe Neuss-Süd, einem von 18 Ortsverbänden im Kreisverband Neuss. „Das bedeutet konkret etwa, dass wir uns dafür einsetzen, dass ein Mitglied seine Behindertenrente bekommt, wenn sie ihm zusteht.“

Akut könne ein solcher Anspruch nach einem Bandscheibenvorfall bestehen, erklärt Vobis. Es gelte dann im persönlichen Gespräch mit dem betroffenen Mitglied herauszufinden, welcher Grad der Behinderung im zustehe und welchen Ansprüche auf welche Art und Weise geltend gemacht werden können. Gemeinsam werden Anträge ausgefüllt und Behördengänge absolviert. Das erfordert viel ehrenamtliches Engagement und Geduld. „Wenn der Fall zu komplex wird, schalten wir insbesondere bei gerichtlichen Belangen – Klagen oder Einsprüchen – die hauptamtlichen Mitarbeiter des Landesverbands in Düsseldorf ein“, erklärt der 64-Jährige.

Mit rund 200 Mitgliedern, die im Schnitt 55 bis 60 Jahre alt sind, ist die Ortsgruppe Neuss-Süd eine der größten im Kreisverband. „Hauptsächlich suchen Menschen unsere Unterstützung, die durch eine Krankheit oder Behinderung im Alltag beeinträchtigt sind“, erklärt Vobis. „Ohne den VdK im Rücken würden sich viele scheuen vor dem Sozialgericht zu klagen.“ Heinz-Peter Vobis‘ Vater ist seit den 1960er Jahren Mitglied im VdK. Sechs Jahre lang war der Berufskraftfahrer, der heute mit seiner Frau in Willich wohnt, stellvertretender Vorsitzender im Kreisverband und hat 2000 die Leitung der Ortsgruppe übernommen. Deren Mitglieder treffen sich vierteljährlich im Haus Obererft und haben jetzt ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert.

Zum großen Fest im Marienhaus an der Kapitelstraße gesellte sich auch Kreisverbandsvorsitzender Wilfried Breuer. Für musikalische Unterhaltung sorgte das Trio „Tango Loco“. „Diese Gruppe passt gut zu uns, weil Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Musik machen“, sagt Vobis. Regelmäßig nehmen er und die anderen sechs Vorstandsmitglieder an Schulungen teil, vor allem zu juristischen Belangen wie Neuerungen im Sozial- oder Grundrecht, um die Mitglieder adäquat beraten zu können. „Mein Wunsch: Es müsste mehr für Menschen mit Behinderungen getan werden“, sagt Vobis. Barrierefreie Arztpraxen etwa seien in Neuss Mangelware.

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