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Neuss: UWG rettet Wahl von Zangs

Neuss : UWG rettet Wahl von Zangs

Christiane Zangs bleibt Beigeordnete für Schule und Kultur. Sie erhielt 31 Stimmen, 30 votierten gegen sie. Offenbar besaß die CDU/FDP-Koalition keine Mehrheit. Da kam ihr die zweiköpfige Fraktion UWG/Zentrum zur Hilfe.

Christiane Zangs (54, parteilos) griff erleichtert zum Pils. In der Sitzungspause nach ihrer Wiederwahl zur Beigeordneten für Schule und Kultur nahm sie die Glückwünsche entgegen und stieß mit dem Ratsherren Klaus Karl Kaster auf weiterhin gute Zusammenarbeit an. Dass die Zitterpartie ihrer Wiederwahl (31 Ja-, 30 Nein-Stimmen) für sie glücklich endete, verdankt sie offenbar der nur zweiköpfigen Fraktion UWG/Zentrum. Deren Vorsitzender Reinhard Wendt hatte vor dem Urnengang öffentlich im Stadtrat erklärt: "Wir wählen Frau Zangs." Ohne seine Stimme und die seiner Mitstreiterin Helga Pollack hätte es für CDU und FDP ein böses Erwachen geben können: Die Koalition war ohne Mehrheit.

Auf solche Rechenbeispiele und Spekulationen mochte sich Jörg Geerlings nicht einlassen. Der CDU-Chef freute sich über einen "Erfolg, den vor einer Woche noch niemand für möglich gehalten hat". Intensive Gespräche "in den eigenen Reihen, aber auch mit der FDP seien erforderlich gewesen", bis das gewünschte Ergebnis stand: "Wir wollten Christiane Zangs, und wir haben sie durchgesetzt. Das zählt."

Das sieht Oppositionsführer Reiner Breuer (SPD) ganz anders: "Frau Zangs hat gewonnen, die Koalition nicht." Es habe sich als Fehler erwiesen, dass CDU und FDP nicht über eine neue Dezernatsverteilung mit der Opposition nach einer breiten Mehrheit für die Beigeordneten-Wahl gesucht habe. Doch auch auf Breuer kommt intern Ärger und Arbeit zu. Ratsherr Hubert Esser war sauer: "Da kämpfst du um jede Stimme, und dann platzt der greifbare Erfolg, weil einer fünf Minuten vor der Abstimmung geht." Das war auf Stephan Zehnpfennig (SPD) gemünzt. Ihn nahm Fraktionsvorsitzender Breuer in Schutz: "Gesundheit geht vor. Er stand schlotternd vor mir. Ich musste Stephan nach Hause schicken."

Für Gesprächsstoff ist auch in der Koalition gesorgt. Heinrich Köppen, der die Liberalen im Stadtrat führt, mochte nicht kommentarlos zur Tagesordnung übergeben: "Mit wem soll ich in dieser CDU-Fraktion denn noch zuverlässig Vereinbarungen treffen — wenn nicht mit dem Vorsitzenden?" Darüber werde zu reden sein. Geerlings gab sich gestern cool. "Das war eine geheime Wahl", kontert er, "wer sagt denn, dass die Abweichler von uns kommen? Gerade die FDP hat sich doch lange schwer mit der Wiederwahl der Beigeordneten getan." Da sei viel Überzeugungsarbeit erforderlich gewesen, die von der CDU geleistet worden sei: "Wir haben doch die Mehrheit herbeigeführt."

(NGZ)