Neuss: Unterschriftenliste für Erdkabel

Neuss : Unterschriftenliste für Erdkabel

Ein schmaler Korridor zwischen Reuschenberg und Holzheim soll eine neue Stromleitung aufnehmen. Am liebsten jedoch unter der Erde, so die Bürgerinitiative "Pro Erdkabel Neuss", die sich vehement gegen eine Freileitung wehrt.

Im Rahmen der Energiewende sind etliche neue Stromtrassen geplant. Eine der vier großen Trassen führt von Emden über den Niederrhein bis Baden-Württemberg. Im Rhein-Kreis Neuss eine Hochspannungs-Freileitung von Osterath bis Gohrpunkt und von Gohrpunkt bis Rommerskirchen. Im Bereich der Stadt Neuss wird Reuschenberg tangiert.

Gegen die vorgesehene Lösung wendet sich mit großem Engagement die 2009 vom Reuschenberger Bürger Willi Traut ins Leben gerufene Initiative "Pro Erdkabel". Im Schulungsraum der Eissporthalle informiert er jetzt die Bürger über das geplante Vorhaben.

Leitung in der Nähe von Häusern

"Im EnLag — Energieeinleitungs-Ausbaugesetz sind Pilotprojekte so genannter "sensibler Bereiche" für die Verlegung von Stromkabeln eingerichtet. Überwiegend in Niedersachsen. Bei uns in Nordrhein-Westfalen wurde das verschlafen", urteilt Willi Traut, Motor der Initiative "Pro Erdkabel Neuss". Sensibler Bereich — das ist eine Leitungsführung bei den Pilottrassen 200 bis 400 Meter von der Wohnbebauung. Sollte der Netzbauer, die RWE-Tochter Amprion, die bei der Bezirksregierung jetzt eingereichte Planung genehmigt bekommen, werde Reuschenberg in dieser Hinsicht massiv betroffen.

Also fordert die Initiative als Maximalvorstellung, die geplante 380-kV-Leitung unter die Erde zu verlegen. In diesem Sinne wird die Initiative Widerspruch gegen die Pläne einlegen. Obwohl die für die Region zuständige Amprion GmbH bereits ein Zugeständnis signalisiert hat: Die bisherige 220-kV-Anlage soll wegfallen und dafür neben der bestehenden 380-kV-Leitung eine zweite Leitung gleicher Stärke gezogen werden. Jedoch mit einer Verschwenkung in Richtung Holzheim. "Eine Lösung, die zwar Gesprächsbereitschaft erkennen lässt", so Traut, "doch zu verbessern ist."

Wenn schon nicht Erdkabel, dann eine einzige Leitung, auf deren Masten sowohl Wechselstrom als auch Gleichstrom geführt wird. Doch zunächst einmal heißt es bei der Initiative: "Wir sind nicht gegen eine Durchleitung von Strom; müssen und werden jedoch Widerspruch gegen die geplante Ausführung einlegen." Dazu hat die Initiative bis zum 10. Juli Zeit; bis dahin will die Traut-Mannschaft unterschriebene Sammel-Proteste der Bezirksregierung übergeben. Der von der Initiative bereits vorformulierte Widerspruch enthält vier Punkte. Im Wesentlichen wehren sich die Bürger gegen eine mögliche Gesundheitsgefährdung, gegen eine Verminderung der Wohnqualität und gegen Immobilien-Verluste.

(NGZ/rl)
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