Neuss: Unsterblich durch Musik

Neuss: Unsterblich durch Musik

Sebastian Zarzutzki setzt mit seinem Musikabend "Für immer 27" im Landestheater toten Musikergrößen wie Jim Hendrix oder Amy Winehouse ein Denkmal. Schräg, humorig, musikalisch überzeugend.

Die Bühne ist ein Sinnbild für das Leben derjenigen, von denen an diesem Abend erzählt wird. Irgendwie zugemüllt, chaotisch und mit so vielen Kleinteilen bestückt, dass man viele erst im Laufe der nächsten 75 Minuten oder auch gar nicht erfassen wird. So ähnlich mag es auch in den Köpfen und Seelen so mittlerweile überlebensgroßer Musiker wie Kurt Cobain, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Jim Morrison oder Amy Winehouse ausgesehen haben. Alle eint, dass sie 27 Jahre alt waren, als sie erschossen, zugedröhnt mit Drogen und/oder Alkohol oder erstickt aufgefunden wurden. Und wie immer in solchen Fällen ranken sich Legenden um den Toten, haben Verschwörungstheoretiker ihre große Stunde, weil niemand fassen kann, warum diese zu Idolen aufgestiegene Menschen so früh gestorben sind.

Das hat auch Sebastian Zarzutzki umgetrieben. Aber weil der Regisseur auch Musiker ist, fokussiert er sich in seinem Stück "Für immer 27 - Ein musikalischer Höllentrip zu Hendrix, Winehouse und Co." im Studio des RLT auf eben die Musik, die die Toten hinterlassen haben. Neu arrangiert hat er sie, auf Schlagzeug, Gitarre (beides von ihm selbst gespielt) und Keyboards (Bartholomäus Pakulski) und damit Songs wie "Me and Bobby McGee" von Janis Joplin, "Rehab" von Amy Winehouse oder noch mehr "Light my Fire" von den Doors eine neue Farbe gegeben, ohne ihren Kern anzurühren.

Überhaupt prasselt an diesem Abend ein Song nach dem anderen auf die Zuschauer: Nicht nur rockige wie "Paint it black" von den Stones mit Blick auf ihren ertrunkenen Leadgitarristen Brian Jones, "Hey Joe" von Hendrix, oder "Come as your are" von Kurt Cobain, sondern das sind auch mal melancholische wie "Fly on me sweet Angel" (Hendrix) oder "Love is a loosing Game" (Winehouse).

Ein Konzert ist dieser Abend dennoch nicht. Oder besser: nicht nur. Das liegt auch an den drei Schauspielerinnen Ulrike Knobloch, Katharina Dalichau und Shari Asha Crosson. Wunderbar schräg erzählen sie von abstrusen Legenden und Theorien um den Club 27, und wenn sie in die Figuren schlüpfen, können sie ihre stimmlichen Qualitäten ausspielen und vermögen mit wenigen Gesten den jeweiligen Charakter passgenau anzuspielen.

Niemals wird der Eindruck erweckt, jemanden erklären zu wollen. Immer sind es nur Versatzstücke aus Originaltexten wie zum Beispiel Tagebüchern oder Interviews, verpackt in klitzekleine Spielszenen, die andeuten, dass diese Musiker Menschen waren, die an sich scheiterten.

Aber nicht alles ist auch geglückt. Ein Bild wie das vom erzählten Tod des Brian Jones im Swimmingpool mit dem Tröpfeln aus einer Schnapsflasche in eine Schublade zu verknüpfen, ist doch etwas platt. Auch die Eingangsszene mit der Schlagersängerin Alexandra ist verzichtbar, sie passt irgendwie nicht in diesen Musikereigen. Anderes ist grandios - etwa der plakative und zugleich bedauernswert-stolprige Auftritt der Amy Winehouse von Crosson: Manchmal weiß man nicht, ob man weinen oder lachen soll.

Überhaupt hat jede Schauspielerin einen ganz besonderen, ganz starken Moment, der allein schon das Zusehen lohnt: Katharina Dalichau mit Janis Joplins' "Me and Bobby McGee", Ulrike Knobloch mit Jim Morrisons "Light my Fire" und Crosson mit "Paint it black" von den Stones.

(NGZ)
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