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Neuss: Unbekanntes Bild von Pankok entdeckt

Neuss : Unbekanntes Bild von Pankok entdeckt

Durch Zufall wurde im Clemens-Sels-Musem auf der Rückseite eines Porträts von Karl Gabriel Pfeill eine weitere Arbeit von Otto Pankok gefunden. Sie zeigt ein Zigeunermädchen und ist vermutlich rund zehn Jahre vorher entstanden.

Unbeabsichtig, aber mit großer Wirkung hat der Museumsverein passend zum eigenen 50-jährigen und zum 100-jährigen Bestehen des Clemens-Sels-Museums dem Haus am Obertor ein Geschenk gemacht. Bei den Vorbereitungen zur Ausstellung der mit Vereinshilfe erworbenen Kunst kam heraus, dass das Museum seit 21 Jahren im Besitz eines Bildes von Otto Pankok ist, von dessen Existenz niemand etwas ahnte. Auch die Tochter des Künstlers, Eva Pankok, nicht.

Sie hatte 1991 ein Gemälde an das Clemens-Sels-Museum verkauft, das den Neusser Dichter und Kunstkritiker Karl Gabriel Pfeill zeigt und von Otto Pankok um 1940 gemalt worden ist. Ob das Bild als Auftrag oder aus eigenem Antrieb entstand, weil Pankok ebenso wie Pfeill neue Wege in der Darstellung religiöser Themen ging, lässt sich heute nicht mehr sagen. Und dass der 1966 gestorbene rheinische Maler dafür die andere Seite eines bereits fertiggestellten Bildes nutzte, kam erst jetzt, 21 Jahre später, zutage. Es zeigt ein Porträt eines Zigeunermädchen – von Pankok vermutlich schon 1932/33 gemalt. Eine Gouache in Blau, die ihm aber offensichtlich nicht gefiel, so dass er das Bild zur Rückseite für das Pfeill-Porträt machte.

Die damalige stellvertretende Museumschefin Gisela Götte übernahm das Bild für die Sammlung so, wie es schon im Pankokschen Besitz vorlag – im Rahmen nämlich. Mehrfach war das Gemälde Gegenstand von Ausstellungen im Haus am Obertor, aber nie wurde es aus dem Rahmen genommen. Nur dadurch konnte diese andere Arbeit all die Jahre unentdeckt bleiben.

Für die Ausstellung mit Beispielen für die Ankaufs-Unterstützung durch den Museumsverein wollte die heute für Kunst des 20. Jahrhunderts zuständige Wissenschaftlerin Bettina Zeman jedoch die Chance nutzen, das Pankok-Gemälde für die Bestandsaufnahme des Museums fotografieren zu lassen. Und das geht am besten ohne störenden Rahmen und spiegelndes Deckglas.

"Ich kann gar nicht sagen, wie überrascht wir waren, als wir das Zigeunermädchen entdeckten", sagt sie lachend, "das ist eine ganz tolle Entdeckung." Was sie am meisten wundert: Das Bild ist keine Skizze, sondern "voll ausgearbeitet", könnte fraglos in die Riege der Bilder eingeordnet werden, in denen Pankok etliche seiner Eindrücke von Begegnungen mit Sinti während einer Frankreich-Reise 1931 und den danach folgenden Besuchen in der Siedlung der Heinefelds in Düsseldorf festhielt.

Viele Porträts von Frauen, Kindern, Männern sind dadurch entstanden; das Thema beschäftigte den Künstler bis an sein Lebensende 1966, und er trug mit seiner Kunst dazu bei, dass die Ermordung zahlreicher Sinti und Roma unter den Nationalsozialisten nicht vergessen wurde.

Aber warum er dieses Bild verwarf? "Wir wissen es nicht", sagt Bettina Zeman, will aber genau diese Frage auch zum Gegenstand künftiger Forschung machen. Dass das Clemens-Sels-Museum nun auf unverhoffte Weise zu einem Pankok -Gemälde mit einem seine Kunst beherrschenden Thema kommt, freut die Kunsthistorikerin noch aus einem weiteren Grund. Es ist eine sinnige Ergänzung zu den zahlreichen Druckgrafiken von Pankok, die das Museum zu dem Thema bereits in seiner Sammlung hat.

Für das rund 1,50 Meter hohe und ein Meter breite Doppelbild hat das Haus eine besondere Stellage anfertigen lassen, so dass der Besucher sich beide Porträts anschauen kann. Derzeit ist das Bild noch im Foyer ausgestellt und wird auch nicht, wenn die Ausstellung "Freunde der Kunst – Freude an der Kunst" am 31. Dezember endet, wieder ins Depot wandern.

"Das Bild wird in der Ausstellung mit den Expressionisten ausgestellt", versichert Bettina Zeman. Allerdings, so schränkt sie auch ein, müsse die Arbeit nach einigen Wochen aus konservatorischen Gründen für eine Zeit dann doch wieder ins schützende Depot.

(NGZ)