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Neuss: Umweltschützer fordern mehr Grün für Neuss

Neuss : Umweltschützer fordern mehr Grün für Neuss

Neuss ist eine der waldärmsten Städte Deutschlands. Das macht Naturschützern Sorgen. Sie fordern mehr Einsatz für die Umwelt.

Die Naturschützer der Stadt sind sich einig: Politik und Verwaltung müssen das Thema Umweltschutz viel stärker in den Fokus nehmen. Während das Umweltamt sich bei dem Thema gut aufgestellt sieht, appellieren die Naturschützer auch an die Neusser Bevölkerung, den Umweltschutzgedanken stärker in den Alltag zu integrieren.

"Was gut läuft ist zum Beispiel, dass das Umweltamt sehr frühzeitig in Bauprojekte einbezogen wird", sagt Dagmar Vogt-Sädler, Leiterin des Umweltamtes. Als Beispiel nennt sie Planungen für Neubaugebiete in Grefrath, bei denen Flächen genau dort freigehalten wurden, wo schützenswerte Arten leben. Überhaupt sei das Engagement der Stadt für Flora und Fauna sehr hoch, so Vogt-Sädler, die auf das seit 1987 geführten Biotopkataster verweist, das die Neusser Umwelt-Verhältnisse genau aufschlüsselt.

Christa Kobs, Vorsitzende des NABU Neuss, sieht den Lebensraum der Wildtiere gefährdet: "Neuss ist der waldärmste Kreis der Bundesrepublik, und die Natur wird weiter zugepflastert. Für neue Baugebiete gibt es zwar Ersatzflächen, aber auch die werden nach einiger Zeit bebaut." Auch Dagmar Vogt-Sädler räumt Defizite ein: Zwar sei die Feinstaub-Belastung kein Problem mehr, aber die Stickstoffoxidbelastung übersteige weiterhin die Grenzwerte. Vor allem die Friedrichstraße sei stark belastet, wurde jedoch nun in eine Tempo-30-Zone umgewandelt.

Die Gründe für die zu hohen Werte sieht Vogt-Sädler aber auch in einer Neusser Eigenart: "Wir haben einen großen Bedarf an öffentlichen Verkehrsmitteln, leider gibt es aber keine U-Bahn, alles läuft über Busse. Diese tragen einen großen Teil zur Emissionsbelastung bei."

Das sieht Ingeborg Arndt vom BUND Neuss ähnlich: "Noch immer fahren zu viele Dreckschleudern herum, gerade Kinder und Senioren sind von den Emissionen betroffen, Asthma und Herzerkrankungen sind die Folge." Außerdem, so Arndt, sei die Umweltzone zu klein, sie sollte um den Konrad-Adenauer-Ring und das Hafengebiet erweitert werden — "aber da will man der Wirtschaft wohl nicht wehtun."

Christa Kobs appelliert an die Bürger, der Natur mehr Raum zu geben: "Ich stelle eine Art 'Sauberkeitsfanatismus' fest, in kaum einem Garten dürfen Wildkräuter wie Brennnesseln oder Löwenzahn stehen, Hauptsache alles ist schön ordentlich. Da kann man auch gleich alles betonieren und grün anstreichen."

Würde man hingegen einen kleinen Teil des Gartens ein Stück weit verwildern lassen, wäre gefährdeten Insektenarten wie Wildbienen oder Schmetterlingen viel geholfen. "Auch alte Gehölze müssen nicht sofort entfernt werden, mit ein bisschen Glück siedeln sich dann Igel an, Schnecken sind dann zum Beispiel kein Problem mehr. Die Natur reguliert vieles von selbst — wenn man sie lässt."

(NGZ)