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Umstrittenes Fortbewegungsmittel: E-Scooter in Neuss auf dem Prüfstand

Umstrittenes Fortbewegungsmittel : E-Scooter in Neuss auf dem Prüfstand

In den geplanten Mobilstationen könnten die umstrittenen Elektro-Roller verliehen werden, doch die Stadtwerke gehen mit Vorsicht an das Thema. Der ADFC befürchtet „brenzlige Situationen“ mit der neuen Form von Verkehrsteilnehmern.

In Metropolen wie Paris, Wien oder Madrid gehören sie bereits zum Stadtbild – und auch in Neuss könnten die sogenannten E-Scooter schon bald benutzt werden. Das Bundeskabinett hatte Anfang April die Zulassung der Tretroller mit Elektromotor auf den Weg gebracht. Nun bringen sich nicht nur Hersteller in Position, sondern auch die Städte. Jüngst preschte die Stadt Mönchengladbach vor und kündigte einen eigenen Verleih an.

In Neuss ist man da noch etwas zurückhaltender. Wie die Stadt mitteilte, arbeite man mit den Stadtwerken grundsätzlich daran, das Thema Elektromobilität voranzubringen. Dabei sollen nach aktueller Planung auch sogenannte Mobilstationen eine Rolle spielen, die viele Mobilitätsangebote an einem Punkt verknüpfen sollen. Ob und in wie weit E-Scooter dabei berücksichtigt werden, könne derzeit noch nicht sicher gesagt werden. Denn: Das Aufkommen und die Auswirkungen von E-Scootern auf Straßen, Wegen und Plätzen in Neuss sei noch schwer einzuschätzen. Die zum Beispiel gegenüber Düsseldorf bestehende geringere Dichte im Stadtgebiet lasse vermuten, dass zunächst eher wenig Scooter in Neuss zu beobachten sein werden. Nach Angaben von Stadtwerke-Sprecher Jürgen Scheer sei grundsätzlich vorstellbar, die Mobilstationen auch mit eigenen zwei- oder vierrädrigen, elektrifizierten Sharing-Fahrzeugen zu versehen. Das Unternehmen Bird schließt auf Nachfrage nicht aus, künftig auch in Neuss aktiv zu werden und Verleih-Stationen in der Quirinusstadt anzubieten.

Bisher sind die Roller, die bis zu 20 Kilometer pro Stunde schnell fahren können, im deutschen Straßenverkehr verboten. Anfang April hatte aber das Bundeskabinett die „Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung“ beschlossen, in der die Rahmenbedingungen für die Nutzung von E-Scootern auf deutschen Straßen geregelt werden. Demnach sollen die Elekroroller vor allem auf Radwegen fahren, und wenn diese nicht vorhanden sind, auch auf der Straße. Rollertypen, die maximal zwölf Kilometer pro Stunde fahren können, sollten ursprünglich sogar auch auf Gehwegen fahren dürfen. Allerdings betonte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Dienstag, dass er das Fahren von E-Tretrollern auf Gehwegen entgegen der bisherigen Planung nicht erlauben möchte.

Heribert Adamsky, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Neuss, befürchtet ebenfalls mangelnde Platz-Kapazitäten. „Wir werden uns die Radwege mit den E-Scootern teilen müssen“, sagt er. Wegen des ohnehin bereits begrenzten Platzes für Radfahrer befürchtet der Fahrrad-Experte „brenzlige Situationen“.