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Neuss: Umjubelter Auftakt für Neusser Kabarett

Neuss : Umjubelter Auftakt für Neusser Kabarett

Das hauseigene Ensemble Tritop am Theater am Schlachthof hat seine "Rathauskantine" eröffnet.

Was ist der Weltuntergang schon gegen eine Kassenprüfung? Vor allem, weil Jupp Schwaderath ahnt, dass es damit seiner gut gefüllten Kaffeekasse an den Kragen geht. Wie soll er auch erklären, dass diese 150 000 Euro enthält, die er bei einem Wetteinsatz gewonnen hat?

Der Hausmeister des Neusser Rathauses ist zwar ein Schlawiner, aber auch eine Seele von Mensch. Und damit auch ein Sympathieträger des neuen Kabarett-Formats des Theaters am Schlachthaus (TaS), das sich "Rathauskantine" nennt und eben da auch spielt.

Dennis Prang spielt ihn mit dem typischen rheinischen Slang und einem Charakter, den auch der (wenn auch nur gefühlte) Vorzeige-Rheinländer Konrad Beikircher so erfunden haben könnte. Stunk-Besucher kennen diese Figur bereits, aber in dem neuen, TaS-eigenen Kabarett-Ensemble "Tritop" ist er nun ein fixe Größe, die künftig zweimonatlich das Geschehen in der Stadt auf die Schippe nehmen wird. Zwei ebenbürtige Partner stehen ihm dabei zur Seite: Jens Spörckmann als Stadtarchivar Alfred Sülheim und Stefanie Otten als Controllerin Simone Stark.

Ihr Anspruch ist hoch: Ein richtiges Neuss-Kabarett wollen die Drei machen, und nach dem bejubelten Auftakt am Wochenende stehen die Chancen dafür auch gut. Denn mag es bei der ersten, gemeinsam entwickelten Rahmengeschichte an manchen Stellen (insbesondere bei der Auflösung) auch gerumpelt haben — die Schwächen und Eigenarten der Politik und der Neusser wurden mal gnadenlos, mal augenzwinkernd und zum großen Vergnügen des Publikums bloßgestellt.

Dass der von den Mayas angeblich prognostizierte Weltuntergang sich auch im "alten Norferisch" formuliert vom ersten Neusser Schützenkönig, der 1749 schon so treffend die Sauerkrautknappheit vorausgesagt hat, im Stadtarchiv findet, macht selbst die strenge Controllerin weich. In einmütiger Wodka-Abschieds-Seligkeit (die Flasche stammt aus Napps Geschenke-Asservatenkammer im Rathaus) setzt das Trio per Mausklick allerhand Unfug in Gang.

Stellt in Düsseldorf den Antrag auf Eingemeindung von Neuss, erhöht die Drehzahl der Rathaustür, macht den Hafen hochseetauglich und beginnt den U-Bahn-Bau. Der Weltuntergang kommt zwar nicht (Düsseldorf lehnt sowieso ab), aber dafür schneien noch Handwerker oder verzweifelte Lehrer herein.

Und "Dat Rosi". Mit Gast Sabine Wiegand hat Tritop einen hervorragenden Griff getan. Da ist die Messlatte für den nächsten — es soll jedes Mal einen anderen Gast geben — zweifellos sehr hochgelegt.

(hbm)