1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: U3-Plätze werden nicht belegt

Neuss : U3-Plätze werden nicht belegt

Obwohl die Kita an der Weberstraße 88 genug Betreuungsplätze für zwei Gruppen von unter dreijährigen Kindern geschaffen hat, werden die nur zum Teil belegt werden. Grund ist ein Mangel an Ü3-Plätzen in der Innenstadt.

Die Bemühungen der Stadt um mehr Kindergartenplätze für die Betreuung von unter dreijährigen Kindern wird ausgerechnet dadurch gebremst, dass die Betreuung von älteren, über dreijährigen Kindern gewährleistet sein muss. Nirgends wird das so deutlich, wie bei der Kindertagesstätte an der Weberstraße 88. Obwohl dort ab dem Beginn des neuen Kita-Jahres am 1. August die U3-Betreuung für zwölf Kinder möglich wäre, wurden vom Jugendamt nur vier Plätze genehmigt.

"Das ist besonders ärgerlich, weil wir mehr als 60 000 Euro aus bewilligten Fördergeldern und viel Mühe investiert haben, um dem enormen Bedarf an U3-Plätzen Rechnung zu tragen. Und jetzt dürfen wir nur eingeschränkt Plätze vergeben", klagt Guido Raudenkolb, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Vereins "Kindertagesstätte Weberstraße 88". Der Verein ist freier Träger der Kita. Für Raudenkolb ist es unverständlich, wie er Eltern von unter dreijährigen Kindern erklären soll, dass die Kita zwar die Kapazitäten für mehr U3-Kinder habe, aber keine weiteren aufnehmen darf. Die Leiterin des Kindergartens, Annette Kramer-Mühlen, fügt hinzu: "Ab dem 1. August werden wir deshalb vier Ü3-Gruppen und eine U3-Gruppe anbieten. Darauf haben wir uns am vergangenen Freitag mit dem Jugendamt geeinigt."

Hintergrund ist die Bedarfslage im Innenstadtbereich. Weil die Pfarrgemeinde Heilige Dreikönige ihre Kindergartenlandschaft umstrukturiert, die Plätze der Kitas aber dringend benötigt werden, muss die Kindertagesstätte an der Weberstraße genügend Ü3-Plätze bereithalten. Denn Eltern, deren Kinder älter als drei Jahre sind, haben einen Rechtsanspruch auf die Betreuung ihrer Sprösslinge – einen Rechtsanspruch für U3-Plätze wird es erst ab 2013 geben. Also argumentiert die Stadt: Sämtliche Kinder im Alter von mehr als drei Jahren müssen zuerst in Kitas oder bei Tageseltern untergebracht sein, bevor Kinder unter drei Jahren aufgenommen werden können.

"Wir wollen verhindern, wegen mangelnder Kita-Plätze verklagt zu werden. Und wir erachten es im Vergleich zur U3-Betreuung als dringender, älteren Kindern einen Platz in einer Kita zu bieten, wo sie vor Beginn der Schulzeit mit Gleichaltrigen zusammen sind und bereits vorschulische Bildung erhalten", sagt Heribert Rothhausen, Abteilungsleiter im Neusser Jugendamt. Das sieht Sozialdezernent Stefan Hahn ähnlich, beeilt sich aber zu betonen, dass selbstverständlich damit die Dringlichkeit nach mehr U3-Plätzen nicht gemindert werden soll.

Guido Raudenkolb zieht seine persönlichen Konsequenzen: "Mir wird es mit den Verhandlungen um die U3-Betreuung zu viel. Ich werde mich nach mehr als 20 Jahren nicht noch einmal für den Vorstand des Kita-Vereins aufstellen lassen."

(NGZ)