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Neuss: U3-Betreuung bereitet Sorgen

Neuss : U3-Betreuung bereitet Sorgen

Bekannt ist, dass es viel zu wenig Kita-Plätze für unter Dreijährige gibt. Doch auch das Beitragssystem der Stadt sorgt für Ärger. Betroffen sind Eltern, deren Kind erst nach Start des Kita-Jahres am 1. August drei Jahre alt wird.

Die Kinderbetreuung und den Wiedereinstieg in den Beruf unter einen Hut zu bekommen, ist für viele Eltern eine enorme Herausforderung. Vor allem, weil viel zu wenig Kindergartenplätze für unter Dreijährige einer hohen Nachfrage bei der U3-Betreuung gegenüberstehen. Das ist bekannt. Doch hinzu kommt, dass das Gebührensystem der Stadt vielen Neussern Probleme bereitet.

Höhere Gebühren für U3-Kinder

Das betrifft vor allem Eltern von Kindern, die zu Beginn des Kita-Jahres am 1. August noch nicht drei Jahre alt sind, kurz danach aber ihren dritten Geburtstag feiern werden. Für sie sind erhöhte Beiträge beim Start in die Kindergartenzeit fällig. Erst im Monat nach dem dritten Geburtstag sinken die Gebühren. Bis zu 100 Euro müssen Eltern in Neuss für Zweijährige mehr zahlen, als für dreijährige Sprösslinge.

Davon ist auch Annemarie Müller* aus Allerheiligen betroffen. Ihre Tochter Hanna* wird erst am 9. August drei Jahre alt, muss aber ab dem 1. August in einer Kita untergebracht sein. Annemarie Müller möchte neben ihrem Mann wieder halbtags berufstätig sein. "In unserem Fall würden für Hannas Kita-Platz im August 367 Euro anfallen. Ab September, wenn Hanna drei Jahre alt ist, sind es dann noch 271 Euro", sagt Annemarie Müller. Hinzu kommt: Drei Wochen werden die Kitas in diesem Jahr im August wegen Ferien geschlossen haben. Die volle Gebührenhöhe wird also im August für nur eine Betreuungswoche erhoben.

Für Annemarie Müller ist das System schwer nachvollziehbar: "Früher galt die Regelung, dass für Kinder, die bis zu zwei Monate nach Beginn des Kita-Jahres drei Jahre alt wurden, schon ab August nur der geringere Beitrag gezahlt werden musste", sagt die 40-jährige Pädagogin. Sie wünscht sich diese Regelung zurück.

Sozialdezernent Stefan Hahn bestätigt die Sachlage, verteidigt aber die Satzung. "Uns fallen Einnahmen weg, wenn wir zum alten System zurückkehren. Das würde zu höheren Gebühren insgesamt führen", sagte Hahn.

Er sehe das eigentliche Problem beim mangelnden Angebot der U3-Betreuung. Bis 2013 müssten noch mindestens 500 Kita-Plätze für die Kleinen geschaffen werden, um der Nachfrage und dem dann geltenden rechtlichen Anspruch auf U3-Betreuung begegnen zu können. Dagmar Hentschel sieht das ähnlich. Die Leiterin der Kita "Abenteuerland" in Allerheiligen, bei der auch Annemarie Müller ihre Tochter Hanna anmelden wollte, berichtet: "Wir haben acht U3-Plätze und mehr als 50 Anmeldungen." Das Beitragssystem müsse sie unterdessen vielen Eltern erklären, wenn sie sich in der Kita vorstellen. "Ich kann nur darauf verweisen, dass die Beiträge in fast allen Kitas gleich sind und von der Stadt festgelegt werden", sagt Hentschel.

* Namen wurden von der Redaktion geändert.

(NGZ)