Neuss: Turm an der Hauptpost wird taubenfest gemacht

Neuss: Turm an der Hauptpost wird taubenfest gemacht

Die Deutsche Post hat sich mit der Künstlergruppe Haus-Rucker-Co über Baumaßnahmen an dem Werk geeinigt.

Lange Zeit herrschte ein gewisse Hilflosigkeit: Tauben nahmen den Turm des Künstlerkollektivs Haus Rucker vor der Hauptpost am Theodor-Heuss-Platz mehr und mehr in Beschlag; Menschen nutzten die begehbare Stahl-Installation als großen Mülleimer. Letzteres lässt sich wohl nur über den Appell an Vernunft und Moral regeln, gegen die Taubenherrschaft aber wird nun konkret etwas unternommen. Schon seit Tagen ist der Turm eingerüstet, hat außerdem eine blaue Schutzhülle übergestülpt bekommen.

"Der Turm wird verkleidet", erklärt Achim Gahr, Sprecher der Deutschen Post, die das Kunstwerk beim Neubau der Post angekauft hatte. Verkleidet auf eine Weise, die verhindern soll, dass Tauben ein- und ausfliegen können, zumindest aber sollen sie ferngehalten werden. Wie lange die Arbeiten an dem Bau dauern werden, vermag Gahr indes nicht zu sagen.

Die Maßnahme, deren Kosten Gahr nicht beziffert, sei das Ergebnis eines Gesprächs mit den Künstlern, die letzten Endes mit jedem Eingriff in ihr Werk einverstanden sein müssten, sagt er. "Die Künstler sind mit der neuen Regelung zufrieden, und wir hoffen, alle anderen auch", erklärt Gahr und spielt damit auf den Unmut vieler Neusser an, die in dem Turm mehr Müllkippe und Taubenschlag sahen.

Die Künstler – das sind die Düsseldorfer Architekten Laurids und Manfred Ortner. Sie hatten den Wettbewerb zur Neugestaltung des Platzes vor der neuen Hauptpost gewonnen, zu dem die Oberpostdirektion damals sieben Künstler eingeladen hatte. Eine Jury hatte sich für den zehn Meter hohen, mit Holzbohlen verkleideten Turm entschieden. Ursprünglich war sogar daran gedacht, in den Ecken der quadratischen Stahlkonstruktion Telefone zu installieren. 1985 wurde der Turm errichtet. Zwei Jahre später hat die Gruppe noch ein zweites Kunstwerk in Neuss realisiert: den "Lesehof" 1987 vor der Stadtbibliothek am Neumarkt.

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Laurids Ortner hatte 1967 zusammen mit seinem Kollegen Günter Zamp Kelp und dem Maler Klaus Pinter die Künstlergruppe Haus-Rucker-Co gegründet, die eigener Aussage zufolge "traditionelle architektonische und künstlerische Konzepte durch radikal neue Gestaltungsideen" ersetzen wollte.

Den Titel Haus Rucker haben sie dem Namen eines österreichischen Bergrückens (Hausruck) entlehnt. Zudem spricht man in Österreich von "wegrücken" wenn etwas beiseite geräumt wird, um Neuem Platz zu machen. Das entsprach auch dem Credo der Gruppe, die vor allem mit utopischen Architekturentwürfen auffiel.

1970 wurden Studios in Düsseldorf und New York eröffnet; 1971 trat auch Laurids Bruder Manfred der Gruppe in Düsseldorf bei. Schon sieben Jahre später hatte sich die New Yorker Gruppe wieder aufgelöst; 1992, nach 25 Jahren und einer letzten Ausstellung in Wien, löste sich Haus-Rucker-Co endgültig auf.

(hbm)
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