Turku: Finnland-Attentäter lebte in Flüchtlingsunterkunft in Neuss

Messerattacke in Turku: Mutmaßlicher Finnland-Attentäter lebte in Neusser Flüchtlingsheim

Der mutmaßliche Attentäter von Turku in Finnland lebte von Januar bis April 2016 in Unterkünften für Flüchtlinge in NRW. Dort fiel er der Polizei zweimal auf – Hinweise auf ein mögliches Attentat habe es aber nicht gegeben.

Der mutmaßliche Attentäter von Turku in Finnland lebte von Januar bis April 2016 in Unterkünften für Flüchtlinge in NRW. Dort fiel er der Polizei zweimal auf — Hinweise auf ein mögliches Attentat habe es aber nicht gegeben.

Viel ist über den mutmaßlichen Attentäter von Turku noch nicht bekannt. Der 18-Jährige aus Marokko soll am Freitag zwei Frauen erstochen sowie sechs Frauen und zwei Männer verletzt haben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur war der mutmaßliche Messerstecher Anfang November 2015 in Niedersachsen erkennungsdienstlich behandelt worden. Das heißt, die Polizei hat seine Daten erfasst — unter anderem die Fingerabdrücke.

Fest steht nun, dass sich der Mann mit diesen Fingerabdrücken von Januar bis April 2016 in Nordrhein-Westfalen, unter anderem in Neuss, aufgehalten und in Flüchtlingsunterkünften gelebt hat. Das bestätigte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion. Der Marokkaner wohnte nach Informationen unserer Redaktion in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes, die sich bis Februar 2017 an der Nordkanalallee in Neuss befand.

Wie der Ministeriumssprecher bestätigte, ist der 18-jährige Marokkaner in dieser Zeit zweimal polizeilich in Erscheinung getreten. "Wir hatten aber keinerlei Hinweise auf salafistische Bezüge", sagt der Sprecher. Im ersten Fall ging es demnach am 16. Januar 2016 um eine einfache Körperverletzung. Das könne zum Beispiel eine Ohrfeige gewesen sein. Grund war wohl eine Auseinandersetzung unter den Bewohnern des Flüchtlingsheims. In Neuss war der Mann allerdings nur kurze Zeit untergebracht.

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Nur zwei Wochen später, am 31. Januar 2016, gab es demnach einen ähnlichen Vorfall in einer Unterkunft für Asylbewerber in Kerpen. Dort machte sich der Marokkaner wegen gefährlicher Körperverletzung strafbar.

Ein finnisches Gericht hatte mitgeteilt, bei dem mutmaßlichen Attentäter handele es sich um einen Asylbewerber mit dem Namen Abderrahman Mechkah. Der Ministeriumssprecher konnte nicht bestätigen, dass die Fingerabdrücke des Mannes aus Neuss und Kerpen mit diesem Namen übereinstimmen. Denn in Deutschland war er offenbar mit mehreren Alias-Identitäten unterwegs.

In Dortmund verzeichnete die Ausländerbehörde den Marokkaner im April 2016 als "unbekannt verzogen", in Hamburg fiel er den Behörden auf, weil er sich illegal dort aufhielt. Bevor er nach NRW kam, hat sich der mutmaßliche Attentäter in den nördlichen Bundesländern aufgehalten.

Auch weitere Verdächtige, die in Finnland festgenommen wurden und mit dem Tatverdächtigen in Kontakt gestanden haben sollen, haben sich offenbar zuvor in Deutschland aufgehalten. Einer von ihnen soll in Hamburg und Göttingen gewesen und dort wegen Raubes und illegalen Aufenthalts aktenkundig gewesen sein, ein anderer soll in Osnabrück zur Festnahme ausgeschrieben gewesen sein.

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