1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Tunnel-Kunst in Holzheim

Neuss : Tunnel-Kunst in Holzheim

Der Baseler Künstler Daniel Göttin reklamiert für sich eine besondere Fähigkeit: "Ich kann Räume lesen." Es ist ein außergewöhnlicher Raum, mit dem er sich jetzt auseinanderzusetzen hatte: der fast 50 Meter lange Tunnel der Raketenstation. Mit einfachen Mitteln – schwarzem Textil- und silbernen Aluminiumklebeband – schuf er die Installation "Passage 2012". Daniel Göttin, Jahrgang 1959, ist auf Initiative des Künstlers Michael Grobe, der unweit des Tunnels seit 17 Jahren sein Atelier hat, zum Field Institute Hombroich gekommen.

Eine Woche lang hatte Göttin offiziell Zeit gehabt, seine Installation zu konzipieren und umzusetzen. Was will "Passage 2012" aus Sicht des Künstlers bewirken? "Klärung der elementaren Verhältnisse und präzisierendes Wahrnehmen sind zentrales Thema: Aufbau, Maß, Zahl, Proportion, Symmetrie, Asymmetrie, Rhythmus – das Spiel mit Fragment, Teil und Element von Installation und Architektur – sich im Raum orientieren, forschen, den Ort kennenlernen, subjektiv Bezug nehmen", erklärt der Künstler.

Besonderheiten des Tunnels der Raketenstation, der aus vier Containern besteht, nahm er auf. Da ist zum einen die Panelstruktur der Container, die lediglich an der Decke sichtbar ist. Diesen Linien setzte der Künstler vertikale Linien aus schwarzem, vier Zentimeter breitem Textilklebeband entgegen. Während auf der einen Seite die Abstände zwischen den Klebebändern größer werden, verkleinern sie sich auf der anderen Seite. Auf vier Stahlplatten am Boden reagierte Göttin, indem er sie mit Aluminiumklebeband konturierte und im Rhythmus der Deckenstruktur rasterte.

Spannend ist für den Künstler, wie die Besucher mit dieser Bodeninstallation umgehen: Machen Sie einen Bogen drum herum oder betreten sie das Kunstwerk? Göttin ist nicht traurig, wenn er seine Kunstwerke abräumt: Noch ist es aber nicht so weit: An den kommenden beiden Wochenenden ist der Tunnel von 12 bis 18 Uhr zugänglich.

(NGZ)