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Neuss: Trauergruppe gibt Hinterbliebenen Halt

Neuss : Trauergruppe gibt Hinterbliebenen Halt

Brigitte und Peter Fischer engagieren sich für den Häuslichen Hospizdienst der Diakonie, bieten ehrenamtlich Seminare zur Trauerbewältigung an. Das Ehepaar arbeitet mit Gruppen, denn Trauernde sollen merken, dass sie nicht alleine sind.

Etwas gemeinsam tun, sich zusammen für etwas einsetzen, diesen Wunsch haben viele Ehepaare. Sich dann aber ausgerechnet für das Thema Trauerbegleitung zu entscheiden, das tun wohl nur sehr wenige Menschen. "Bei uns hat sich das mit den Jahren so entwickelt", sagt Brigitte Fischer, die gemeinsam mit Ehemann Hartmut gerade wieder dabei ist, einen Trauergesprächskreis zu organisieren, der Anfang Februar starten soll.

Die Fischers leben in der Neusser Nordstadt, engagieren sich seit Jahren für die Versöhnungkirche, er als Presbyter, sie im Besuchsdienst der Gemeinde. Die Idee, sich mit Trauerbewältigung zu befassen, war aus dem Leben gegriffen. "Ich war viele Jahre in einem stationären Hospiz tätig", erzählt Brigitte Fischer, die gelernte Altenpflegerin ist. Sterben und Tod — für die 70-Jährige sind das seit langem kein Tabuthemen mehr. Ihre Erfahrungen wollte sie auch nach der Rente weitergeben — aber nicht allein, sondern gemeinsam mit Ehemann Hartmut. Das Paar besuchte diverse Fortbildungen, beide sind heute als Gruppenleiter qualifiziert.

"Wir sind durch die Kurse noch einmal sensibler geworden", berichtet Hartmut Fischer, der gelernter Bankkaufmann ist, und schon vor seinem Engagement im Häuslichen Hospizdienst der Diakonie, der die Trauerseminare der Fischers organisatorisch unterstützt, 20 Jahre bei der Telefonseelsorge mitwirkte. Trauernde begeleiten, ihnen zuhören und Mut machen, das ist das Ziel der Fischers, die sich in ihrem Ehrenamt gegenseitig unterstützen. "Dass wir zusammenarbeiten hat den Vorteil, dass wir Erlebtes reflektieren und uns gegenseitig Halt geben können", berichtet Brigitte Fischer.

Bei seiner Arbeit mit Trauernden setzt das Ehepaar auf regelmäßige Gesprächskreise mit Betroffenen. Auch "Trauerwochenenden" bieten beide gemeinsam an, letzteres aber nur einmal im Jahr, weil der Aufwand sonst zu groß wäre. Wichtig ist ihnen, Hinterbliebenen zu vermitteln, wie sie mit ihrer Trauer umgehen, sie verarbeiten können. "Trauer muss man zulassen, verdrängen hilft nicht", sagt Hartmut Fischer, der in den vergangenen Jahren beobachtet hat, dass sich das Tabu, den Tod zu thematisieren, doch etwas gelockert hat. "Sich bei einem Kursus anzumelden, ist ein guter erster Schritt zur Trauerbewältigung", meint er.

Berührungsängste hat das Paar vor allem bei Männern ausgemacht. "Frauen fällt es leichter, sich zu öffnen und über Gefühle zu sprechen", sagt Brigitte Fischer. "Die Trauer wird jedoch immer da sein, und auch wenn sie verdrängt wird, kann sie doch plötzlich wieder hereinbrechen", fügt ihr Mann Hartmut hinzu, der auch in den Kursen zur Trauerbewältigung stets der "Hahn im Korb" war. Die Arbeit in der Gruppe habe den Vorteil, so berichten beide, dass ein Gemeinschaftsgefühl entstehe. "Für viele Trauernde ist es gut zu wissen, dass sie nicht alleine sind mit ihren Gefühlen", sagt Hartmut Fischer. Denn Trauer macht einsam, wenn sie nicht bewältigt wird. "Wir wollen Hilfestellung bieten und Unterstützer sein", sagt Brigitte Fischer. "Die Gruppe nimmt den Leidensdruck, den viele Hinterbliebene schmerzhaft spüren."

(NGZ/ac)