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Toter Obdachloser in Neuss: Polizei nimmt Tatverdächtigen fest

Toter Obdachloser in Neuss : Polizei nimmt Tatverdächtigen fest

Die Polizei hat am Donnerstag einen 20 Jahre alten Mann vorläufig festgenommen. Er steht unter dringendem Tatverdacht, den Obdachlosen (31) getötet zu haben, der vor einer Woche aufgefunden wurde.

Nach einem entscheidenden Hinweis klickten die Handschellen: Rund eine Woche, nachdem der seit rund anderthalb Jahren obdachlose Marco (31) tot in seinem provisorischen Nachtlager im Bereich der Karl-Arnold-Straße/Wingender Straße aufgefunden wurde, hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Bei „einem gezielten Einsatz“ am Donnerstag haben Beamte den Mann an seiner Wohnanschrift festgenommen, wie es aus einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung der Polizei heißt. Die weiter andauernden Ermittlungen sollen nun den bereits dringenden Tatverdacht weiter erhärten.

Die Polizei hatte in den vergangenen Tagen mit einer Einsatzhundertschaft die Umgebung des Tatortes nach Beweisen abgesucht sowie intensive Anwohner-Befragungen gemacht. Letztlich sind die Beamten durch einen entscheidenen Hinweis aus der Bevölkerung auf die Spur eines 20 Jahre alten Tatverdächtigen gestoßen, der nach Informationen unserer Redaktion nicht weit vom Tatort entfernt wohnt.

War in der Bevölkerung in den vergangenen Tagen immer wieder der Verdacht geäußert worden, es könne sich um einen eskalierten Konflikt innerhalb der „Obdachlosen-Szene“ handeln, wäre diese Theorie – sollte sich der Tatverdacht bestätigen – nun widerlegt. „Der festgenommene Mann ist nicht obdachlos“, sagt Martin Stücker von der zuständigen Staatsanwaltschaft Düsseldorf auf Nachfrage. Der Verdächtige, deutscher Staatsangehöriger, sei zwar mehrfach vorbestraft, dazu zählt auch eine Körperverletzung, – allerdings wegen Delikten, die nicht ansatzweise vergleichbar mit der Tat sind, die ihm nun vorgeworfen wird. Die Hintergründe der mutmaßlichen Tötung sind derzeit noch nicht bekannt, der Verdächtige hat sich bislang noch nicht geäußert.

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Die Leiche des Opfers (Name der Redaktion bekannt) war am 22. April gefunden worden – von einem Passanten, der auf dem Weg zur Arbeit an dem provisorischen Nachtlager nur unweit des Hauptbahnhofs vorbeikam – und dem die Situation dort komisch vorkam. Beim Vor-Ort-Besuch unserer Redaktion nach Freigabe des Tatorts zeigte sich dort ein Bild der Verwüstung. Nur unweit einer vergilbten Matratze befand sich das zusammengefallene Zelt des Mannes, auf dem Boden lagen unter anderem Süßigkeiten und offenbar Teile von Elektronik-Artikeln verstreut. Noch am Tag des Fundes äußerten Staatsanwaltschaft und Polizei den Verdacht, dass ein Tötungsdelikt vorliegen könnte. Grund waren die Verletzungen des Opfers, die auch am Freitag noch nicht konkretisiert wurden. Der Verdacht wurde nach Abschluss der Obduktion allerdings noch einmal erhärtet.

Dass nun ein Verdächtiger festgenommen werden konnte, dürften auch andere Menschen, die in Neuss auf der Straße leben, mit einem Gefühl der Beruhigung zur Kenntnis nehmen. Im Gespräch mit unserer Redaktion hatten Betroffene jüngst betont, wegen der mutmaßlichen Tötung nachts nur noch mindestens zu zweit unterwegs zu sein und zu schlafen. Die Familie von Marco hat eine Spendenaktion gestartet, um die Bestattung zu finanzieren: https://gofund.me/25d9cd75

Die Beerdigung findet am kommenden Donnerstag, 5. Mai, um 9 Uhr auf dem Kaarster Hauptfriedhof statt

(NGZ/jasi)