Tossia Corman und Philipp van Endert in der Alten Post

Tossia Corman und Philipp van Endert auf der Bühne : Ein Blick unter die Oberfläche von Popsongs

Tossia Corman und Philipp van Endert als Duo in der Jazzreihe „Blue in Green“ in der Alten Post.

Kann man so machen: „Human Nature“, diese schon im Original so befremdlich klingende Popballade von Michael Jacksons Hit-Album „Thriller“, gleichsam auf links zu stülpen und ganz hibbelig im flotten Tempo zu spielen. Mit dieser nicht alltäglichen Interpretation sind die Sängerin Tossia Corman und der Gitarrist Philipp van Endert jedenfalls in ihr „Blue in Green“-Konzert eingestiegen. Mut brauchen die beiden Düsseldorfer dafür, das ist klar. Ein in den vergangenen 35 Jahren zigfach gecoverter Hit nonchalant gegen den Strich zu bürsten – das hätte auch schief gehen können. So wurde dieser Popklassiker in der Fassung dieses Duos für das Publikum in der Alten Post zum ersten Ohrenmerk für ein Konzert mit „Lieblingsliedern“ der beiden Protagonisten.

Das Konzert mit dem Duo der Sängerin und des Gitarristen wurde zum Ritt im scharfen Galopp durch die Geschichte der populären Musik. Corman und van Endert haben sich Stücke vom Gitarrenrock-Revoluzzer Jimi Hendrix ebenso einverleibt wie vom amerikanischen Singer/Songwriter Tom Waits, Gassenhauer aus dem „Great American Songbook“ wie „My Romance“ haben sie gleichermaßen zu Gehör gebracht wie Klassiker der Jazzmoderne, allen voran „Tutu“ vom gleichnamigen Album von Miles Davis 1986.

Doch ist ein Duokonzert mit Pop- und Rocksongs in der Bearbeitung für Gesang und Gitarre überhaupt noch Jazz? Die Antwort zeigt sich bei Corman und van Endert weniger in der instrumentaltechnischen Umsetzung dieser Lieder. Sicherlich weiß der Gitarrist, wie er auf seinem Instrument den warmen Alt der Sängerin noch mehr zum Leuchten bringen kann, wie er das Timbre seiner Partnerin kontern muss, um aus im Verborgenen glimmenden Funken ein loderndes Feuer zu entfachen.

Spannender ist es aber zu beobachten, wie die beiden sich zum fremden Songmaterial stellen. Denn Jazz ist für Corman und van Endert mehr eine Haltung, aber weniger eine musikalische Gattung. Sie wollen vielmehr im Prozess der Interaktion auf der Bühne der Frage nachgehen, inwieweit die eigene Persönlichkeit den Kern der Lieder überdecken darf, um daraus etwas Neues zu entwickeln? Oder ob es nicht notwendiger ist, eine vielleicht unbekannte Facette eines Liedes herauszuarbeiten, um diesem eine neue Bedeutungsebene hinzuzufügen? Für welche Antwort sich Corman und van Endert auch entschieden haben, stets haben sie dem Publikum einen Blick unter die Oberfläche der Songs frei gegeben; nicht mehr, aber auch nicht weniger.

(mala)
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